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Schulbeginn und es bleiben Sessel leer: In der Krisenregion sind die Kinder vielfach mit dem Tod konfrontiert, aber auch in österreichischen Schulklassen wird das Unglück spürbar.

REUTERS/Yves Herman
In den vergangenen Tagen habe er "am eigenen Leib erfahren, was man als Angehöriger von Tsunami-Opfern mitmacht", schildert der steirische SP-Vorsitzende Franz Voves. Am Wochenende, nach 14 Tagen bangen Wartens, wurden die Tante des Landeshauptmannstellvertreters und deren Lebensgefährte schwer verletzt aus Phuket nach Österreich transportiert.

Der Mann musste wegen einer entzündeten Wunde während des Fluges in künstlichen Tiefschlaf versetzt werden. Die Tante des Politikers hat sich beim Hereinbrechen der Flut beide Beine gebrochen.

Voves betonte, dass er von der steirischen Kriseninterventionsstelle "immer und gewissenhaft auf dem Laufenden gehalten worden" sei. Ein Lob für den Landes-Katastrophenschutz, das mit den Eindrücken der Chefin einer Wiener Werbeagentur über die "offiziellen Stellen des Bundes" kontrastiert.

Die Hotline des Außenministeriums habe "keine brauchbaren Auskünfte" über den Verbleib einer Kollegin erteilen können - die junge Frau war samt Freund am 26. Dezember zuletzt am Strand von Khao Lak gesichtet worden. "Wir fangen an, uns der Realität zu stellen, dass sie vielleicht gar nicht mehr wiederkommt. Wir müssen unsere Arbeit anders organisieren - und das geht nicht, wenn man sich allein auf die Suche konzentriert", erzählt die Vorgesetzte am Montag, Tag der vereinbarten Wiederkehr der Verschollenen im Büro.

Bisher zwölf Tote

Im Krisengebiet wird derzeit nach 266 Österreichern gesucht- Zwölf Menschen galten als tot.

24 Stunden davor, am Sonntag, hatten noch 384 Österreicher als nicht auffindbar gegolten. "Erstens haben sich Rückkehrer bei uns gemeldet, zweitens haben uns Angehörige die Rückkehr von Verwandten oder Freunden angezeigt, drittens schreitet die Bereinigung der Vermisstenlisten voran", zählt Astrid Harz, Sprecherin von Außenministerin Ursula Plassnik, Gründe für das beachtliche Minus von 77 Verschollenen auf.

"Viertens leisten wir mühsame kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit", ergänzt, leicht enerviert, Innenministeriumssprecher Gerald Hesztera. Die betrauten Beamten gingen "den geringsten Spuren nach", schildert er. Nach mehreren Anrufen sei es etwa gelungen, "im Norden Indiens einen Touristen aufzutreiben, der nicht im Traum daran gedacht hat, dass er auf der Vermisstenliste steht".

Am Montag, Tag eins des neuen Arbeitsjahres, habe man manche verschollen Geglaubten auch wieder on the Job erreichen können. "In zwei bis drei Tagen wird man die Lage besser einschätzen können."

Vielleicht wird dann geklärt werden können, was genau mit dem zehnjährigen David aus Hall in Tirol geschehen ist. Im dortigen Franziskanergymnasium startete der Unterricht am Montag ohne den in Khao Lak vermissten Buben, dessen Eltern verletzt nach Österreich zurückgekehrt sind. "Ein paar Schüler beutelt es ziemlich her, es gab auch Tränen", berichtet Schuldirektor Gerhard Sailer.

Man werde jetzt versuchen, das Unglück im Unterricht "auf Wissen zu reduzieren". Auf Wissen über das Entstehen und die Auswirkung von Tsunamis. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.01.2005)