Rom/Wien - Die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" zeigt sich über den Zustand des Grabes von Antonio Salieri (1750-1825) am Wiener Zentralfriedhof empört. Das Grab des italienischen Komponisten und Mozart-Rivalen sei verwahrlost und kaum erkennbar, abseits von jenem Teil des Friedhofs, in dem die Großen der Musik wie Beethoven, Brahms und Strauss ruhen, kritisierte das Blatt.

Wer ist zuständig?

"Keine Kerze, keine Blume. Nur ein großer Stein mit einem kleinen Obelisk, die Inschrift ist abgekratzt. Nur mit Mühe kann man noch einen Namen lesen: 'Anton Salieri' alles anderes ist gelöscht" schrieb die Tageszeitung und fragte: "Wer sollte sich um das Grab kümmern? Die Gemeinde Wien oder das italienische Kulturinstitut in Wien? Oder vielleicht das Ministerium für die Auslandsitaliener, das sich um die Gräber unserer bekannten Verstorbenen im Ausland kümmern soll?"

Seit einigen Monaten steht Salieri in Italien wieder hoch im Kurs. Am 7. Dezember wurde die Theatersaison im Opernhaus La Scala mit Salieris Oper "L'Europa riconosciuta" eingeweiht. Riccardo Muti, der das Stück dirigierte, forderte dazu auf, Salieri wiederzuentdecken, da er zu den großen Komponisten des 18. Jahrhunderts zähle.

Geschichte und Geschichten

Der Italiener zählte Ludwig van Beethoven, Franz Schubert und Franz Liszt zu seinen Schülern. Seine Bekanntheit verdankt Salieri allerdings der Legende, er habe Wolfgang Amadeus Mozart ermordet. Bis in die Gegenwart hinein hat die umstrittene Rivalität zwischen Mozart und Salieri die Fantasie anderer Künstler angeregt.

Einen Namen als Komponist schuf sich Salieri vor allem durch seine Kirchenmusik und eine Vielzahl an Opern. 1823 verfiel Salieri in geistige Umnachtung und bezeichnete sich in diesem Zustand des öfteren als Mörder Mozarts, was allerdings erst die Nachwelt beschäftigen sollte.(APA)