Berlin - Der finnische Außenminister Erkki Tuomioja hält einen EU-Beitritt der Ukraine in 15 bis 20 Jahren für möglich. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte er zugleich, dass der Europäische Stabilitätspakt nicht dogmatisch gesehen werden sollte. Tuomioja beendete am Mittwoch in Berlin einen zweitägigen Deutschland-Besuch.

In dem dpa-Interview sagte Tuomioja, eine Aufnahme der Ukraine in die EU könne in 15 bis 20 Jahren in Frage kommen. "Wenn wir gesagt haben, dass Istanbul und Ankara europäische Städte sind, dann kann Kiew nicht ausgeschlossen werden." Die Gründe für eine Aufnahme der Ukraine seien die gleichen wie im Fall der Türkei und würden geo-politische Überlegungen mit einschließen.

Besorgnis über Russland

Besorgt äußerte sich der finnische Minister über die Lage in Russland. "Wir sind offenkundig über viele Entwicklungen nicht glücklich." Die neuerliche Verstaatlichung des russischen Öl-Konzerns Yukos sei nicht der geeignete Weg, um ausländische Investitionen zu fördern. Russland gehe es wegen des hohen Öl- und Gaspreises gut, "aber alles andere stagniert nur".

Keine dogmatische Herangehensweis an Stabilitätspakt

Tuomioja äußerte Verständnis für die Verstöße Berlins gegen den Europäischen Stabilitätspakt. "Eine wortwörtliche Interpretation des Stabilitätspaktes wäre verheerend gewesen." Hätten Deutschland und Frankreich ihre Ausgaben noch weiter gekürzt, um dem Defizit-Limit zu genügen, hätte dies steigende Arbeitslosigkeit in Europa bedeutet.

Erstaunt über Interesse an finnischem Bildungssystem

Erstaunt zeigte er sich über das immense Interesse deutscher Experten am Bildungssystem seines Landes, nachdem Finnland bei den PISA-Studien viel besser abgeschnitten hat. "Zehn Jahre lang haben die Leute unser Schulsystem kritisiert und gesagt, es ist wie das von Ostdeutschland." Jetzt kämen alle, um sich genauer zu informieren. Dabei sei das finnische Bildungssystem keine Erfindung des Landes: "Tatsächlich wurde es von Schweden abgeschaut." (APA/dpa)