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Die Dakar in Trauer: Cyril Despres, der Führende in der Motorradwertung, kniet tief betroffen am Boden. Despres' Teamkollege bei KTM ist am Dienstag in der Wüste Mauretaniens verunglückt. Zwei Offizielle, darunter Dakar-Renndirektor Patrick Zaniroli (hinten), stehen dem Franzosen zur Seite.

Foto: AP/Bernard Papon, Presse Sports
Wien/Mattighofen - "Wir haben unsere erste Dakar 1992 gemeinsam bestritten. Seit 1995 war Fabrizio bei uns im Team, er hat uns den ersten Dakar-Sieg und die schönsten Erfolge geschenkt. Er war ein großer Sportler, ein ganz besonderer Mensch. Er war mein Freund." Heinz Kinigadner ist vom Tod des Italieners Fabrizio Meoni, der am Dienstag während der elften Etappe der 27. Rallye Dakar verunglückte, tief getroffen.

Für den Sportchef von KTM soll die Karawane diesmal nicht ganz einfach weiterziehen. Als erste Konsequenz legte er den restlichen noch im Rennen befindlichen KTM-Fahrern den Rückzug aus der Wüste nahe, "aber es bleibt deren Entscheidung und die Entscheidung ihrer Teams. Wir können und werden ihnen keine Vorschriften machen". Die Organisation sagte die zwölfte Etappe für Motorräder ab. Nur die Autos gingen rennmäßig auf die 819 Kilometer zwischen Kiffa in Mauretanien und Bamako in Mali.

Kinigadner, der die Gefährlichkeit von Wüstenrallyes aus eigener Erfahrung zur Genüge kennt - die meisten seiner insgesamt 46 Knochenbrüche erlitt der ehemalige Motocrossweltmeister in Nordafrika -, stellt diese Veranstaltungen jetzt insgesamt infrage.

Die reine Raserei

"KTM hat mit Richard Sainct in Tunesien und jetzt Meoni bei der Dakar innerhalb von vier Monaten die beiden besten und erfahrensten Piloten verloren. Ich habe das Rallyefahren in die Firma gebracht, aber niemals geglaubt, dass man dafür so einen Wahnsinnspreis bezahlt."

Durch die Verbesserung des Materials, vor allem der Navigationssysteme, sind Wüstenrallyes laut Kinigadner in den letzten Jahren schneller und damit gefährlicher geworden. "Vor einigen Jahren waren drei Stunden Rückstand durch bessere Navigation jederzeit aufzuholen. Heute haben alle das gleiche perfekte Material. Mit drei Minuten Rückstand hast du die Rallye weit vor dem Ziel verloren." Die Folge sei die reine Raserei, ohne Rücksicht auf Verluste. Vor den möglichen Konsequenzen sind weder Amateure wie der am Montag verstorbene Spanier José Manuel Pérez noch Profis wie Meoni gefeit. Dazu kommt im Fall der 27. Dakar das miserable Wetter. "Es ist extrem windig, die Sicht ist ständig schlecht. Da übersieht bei dem irren Tempo selbst ein Klassefahrer leicht Hindernisse wie einen trockenen Flusslauf."

Typisch an Meonis Unfall seien auch Zeitpunkt und Verlauf gewesen. "Es ist kurz nach dem ersten Checkpoint passiert. Die Fahrer gehen nach der kurzen Pause wieder mit vollem Tempo auf die Strecke, die volle Konzentration stellt sich aber erst nach einigen Minuten ein." Selbst für einen Routinier wie den 47-jährigen Toskaner einfach zu spät.

Die Frage nach Möglichkeiten, die Sicherheit zu erhöhen, lässt Kinigadner ratlos zurück. "Im Straßensport, aber auch in der Motocross-WM werden die Rennen von Jahr zu Jahr sicherer, aber wie soll man eine Dakar sicherer machen? Wir bräuchten ein völlig neues Format." Einer generellen Einstellung von Wüstenrallyes redet der Tiroler nicht das Wort: "Der Abenteuergedanke wird immer reizen. Aber wir bei KTM sind wahrscheinlich nicht mehr bereit, dafür zu bezahlen, dass Fahrer Kopf und Kragen für einen Dakar-Sieg riskieren." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 13. Jänner 2005, Sigi Lützow)