Innsbruck - Molekularbiologen der Universität Innsbruck und Forschern aus San Diego ist es gelungen, ein spezielles Protein zu identifizieren und zu charakterisieren, das für die "Verpackung" des Erbguts in der Zelle "von entscheidender Bedeutung" ist. Dies eröffne auch neue Möglichkeiten für das Verständnis von Krebserkrankungen und Erbkrankheiten, hieß es am Mittwoch.

Als lange Kette betrachtet könne die DNA mehrere Meter lang sein. Im Zellkern sei aber nur sehr wenig Platz. Deshalb müsse die DNA "verpackt" werden. Dies geschehe mittels basischer Proteine, so genannter Histone, um die die DNA herumgewickelt wird. Dadurch könne die Länge um das 50.000-fache verkürzt werden. Außerdem werde auf diese Weise eine übergeordnete Ebene der Regulation geschaffen, die all jene Prozesse beeinflusst, die Zugang zur DNA benötigen.

Stichwort: Chromatin

Die Forschung zur Struktur dieser "Verpackung", des so genannten Chromatins, habe sich in den vergangenen Jahren sehr stark weiterentwickelt und großes wissenschaftliches und medizinisches Interesse hervorgerufen, teilte die Medizinische Universität mit. Dies sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass viele der Faktoren, die für die Modulation der Chromatinstruktur verantwortlich seien, auch bei der Entstehung einer großen Anzahl von Krebserkrankungen wie Leukämien sowie Brust- und Lungenkrebs, aber auch Erbkrankheiten wie dem Williams Syndrom involviert seien. Die Prozesse, die die Packung der DNA und Histone regulieren ("Chromatin Assembly"), spielten eine zentrale Rolle bei der Verdoppelung der Chromosomen, bei Transkription, der Reparatur von DNA-Schäden und bei der Rekombination des genetischen Materials.

Gemeinsam mit amerikanischen Kollegen sei es der Molekularbiologin Alexandra Lusser nun gelungen, ein molekulares Motorprotein, CHD1, zu identifizieren und zu charakterisieren, das die Packung der DNA und Histone im Reagenzglas beschleunige, so dass Chromatin entstehe, das dem natürlichen Chromatin der Zelle sehr ähnlich sei. Weitere Analysen hätten ergeben, dass möglicherweise verschiedene Faktoren für die Packung unterschiedlicher Chromatinarten verantwortlich seien. So scheine CHD1 die Entstehung von locker gepacktem Chromatin zu vermitteln. Im Gegensatz dazu ist ACF, ein weiterer Assembly Faktor, an der Entstehung von dichtgepackten, repressiven Chromatinstrukturen beteiligt, deren Gene kaum aktiv seien. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse sei entscheidend, um die Diagnose, Behandlung und Therapie von Erkrankungen zu verbessern, zeigten sich die Forscher überzeugt.(APA)