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Stimmungsträger Südbahnhotel

Foto: APA/ FESTSPIELE REICHENAU/ROBERT JAEGER

Wien - Mit Neuerungen warten die Festspiele Reichenau auf: "Jacobowsky und der Oberst" von Franz Werfel wird in einem neuen Spielraum über die Bühne gehen (Premiere: 9. Juli). Im Großen Saal des Theaters Reichenau werden "Zwischenspiel" von Arthur Schnitzler (Premiere: 8. Juli) und "Alte Meister" von Thomas Bernhard (Premiere: 14. Juli) gezeigt. Das Südbahnhotel am Semmering ist Schauplatz für Joseph Roths "Radetzkymarsch" in einer dramatisierten Fassung von Helmut Peschina (Premiere: 7. Juli).

Eintrittskarten weitgehend über Förderverein

Der neue, 290 Zuschauer fassende Raum folge dem Konzept, trotz Erweiterung der Möglichkeiten die Spielorte klein und damit "theatergerecht" zu belassen. "Das ist die Zukunft des Theaters", behauptetw Intendant Peter Loidolt bei der Programmpräsentation am Donnerstag in Wien. Die Spielstätte sei für jede Produktion geeignet und ermögliche auch "Rundumprojektionen" mit der Bühne in der Mitte - wie nun erstmals bei dem Werfel-Stück, "ohne aber ein Film zu werden", betonte Loidolt. (In Werfels Drama "Jacobowsky und der Oberst", das in das besetzte Frankreich im Jahr 1940 führt, spielen u.a. Mercedes Echerer, Peter Matic und Joseph Lorenz; Regie führt Maria Happel.) Der neue Raum bringe nicht nur mehr Komfort für die Besucher, sondern auch Erleichterung bei den Proben: Diese müssen dann nicht mehr "rund um die Uhr" stattfinden.

Trotz der großteils eigenfinanzierten räumlichen Erweiterung sollen die Zuschauerzahlen - mit erwarteten 36.000 - gleich bleiben, soll die Qualität der Festspiele weiter erhöht werden. Das bedeutet aber auch, dass es nicht leichter wird, Karten zu ergattern: An Mitglieder des Fördervereins, die vor dem allgemeinen Vorverkauf ab März bestellen können, wurden bereits rund 18.000 Karten vergeben. Die Zahl der derzeit geplanten 70 Vorstellungen insgesamt kann dem Bedarf entsprechend auf 100 erhöht werden.

"Ohne Demolierungswut"

Für die Produktion von Schnitzlers "Zwischenspiel" über das Experiment einer offenen Ehe im Künstlermilieu wurde Bernd Birkhahn gewonnen. Der bisher als Burgschauspieler und von vielen Reichenau-Rollen bekannte Professor am Reinhardt-Seminar wechselt erstmals ins Regiefach. Er stand vor der Herausforderung, das Stück aus 1905 - u.a. durch Reduzieren der Adelstitel - in eine zeitlosere Fassung zu bringen - "ohne Demolierungswut", betonte Renate Loidolt, Direktorin der Festspiele. Die Beschreibung Schnitzlers des Duells sei "nicht zu toppen", so Birkhahn.

Als eine der spannendsten Produktionen bezeichnete der Intendant Bernhards "Alte Meister" in der szenischen Fassung von Hermann Beil. Der fundierte Bernhard-Kenner werde auch als Regisseur für "absolute Authentizität" sorgen. Das durch die Besetzung mit Martin Schwab, Branko Samarovski und Erwin Steinhauer zu erwartende "große Erlebnis" soll auch als Gastspiel im deutschsprachigen Raum angeboten werden.

Untergangsstimmung im Südbahnhotel

Prädestiniert für die Szenerie der untergehenden Monarchie, wie im "Radetzkymarsch" geschildert, ist das Südbahnhotel - laut Loidolt "Festspiel-Magnet" bei Medien und Zuschauern. Regisseur Helmut Wiesner sprach von einem faszinierenden, gespenstischen Ambiente, das eine "wahnsinnige Atmosphäre" schafft. Es spielen u.a. Wolfgang Hübsch, Michael Dangl und Ulrike Beimpold. Loidolt zeigte sich zuversichtlich, dass der bis 2006 geltende Vertrag mit den Besitzern des Südbahnhotels verlängert wird.

Eingespieltes Ensemble

Insgesamt 200 Künstler zählen zum Festpiel-Ensemble, pro Jahr wirkt rund die Hälfte davon mit. "Das gibt uns die Möglichkeit, aus dem Vollen zu schöpfen", freuten sich Renate und Peter Loidolt. Man sei zu einer "Familie" zusammengewachsen, in der es hervorragende Teamwork ohne "Über-Stars" gebe.

In den kommenden Jahren will man sich u.a. Wedekind und Hauptmann widmen, angedacht ist auch Heimito von Doderers "Strudlhofstiege" in einer Dramatisierung. "Die Schnitzler-Kompetenz wollen wir aber nicht abgegeben", betonte Loidolt. Ambitioniertes Anliegen ist es weiter, jungen Talenten mit einer Produktion pro Jahr Chancen zu eröffnen, damit mittelfristig eine Nachwuchsgilde heranzubilden und zugleich "jegliches Ablöse-Dilemma" zu vermeiden. (APA)