Rom - In Italien wird im Frühjahr eine Volksabstimmung zur Abschaffung des neuen Gesetzes über künstliche Befruchtung stattfinden. Dies wurde am Donnerstag vom römischen Verfassungsgericht beschlossen, das die Referendumsanträge zugelassen hat. Die Volksabstimmung wird an einem Sonntag zwischen 15. April und 15. Juni stattfinden.

Einfrieren von Embryonen und Leihmutterschaften quasi verboten

Das Gesetz, eines der restriktivsten Europas, war im vergangenen Jahr von einer parteiübergreifenden, katholisch-konservativen Front gegen den erbitterten Widerstand der liberalen Kräfte und vieler Frauen im Parlament verabschiedet worden. Demnach ist die Befruchtung mit Ei- oder Samenzellen, die nicht von dem kinderlosen Paar selbst stammen, verboten. Höchstens drei Eizellen dürfen jeweils im Reagenzglas befruchtet werden. Das Einfrieren von Embryonen ist praktisch verboten ebenso wie Leihmutterschaften.

Verbote für Lesben und Frauen ab 50

Untersagt ist die künstliche Befruchtung von Frauen, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben oder allein stehen oder über 50 Jahre alt sind. Auch die Verwendung von Embryos für wissenschaftliche Forschung wird verboten. Die strengen Vorschriften haben bereits hunderte italienische Paare zu FortpflanzungsmedizinerInnen in die Schweiz und in andere europäische Länder getrieben. "Im vergangenen Jahr hatte ich pro Woche ein oder zwei Paare aus Italien in der Praxis, heute ist es eines pro Tag", sagte der Leiter eines Fertilitätszentrum im südschweizerischen Tessin.

Spaltung durch politische Couleurs hinweg

Das Gesetz spaltet nicht nur die Regierungskoalition, sondern auch die Opposition. Während die KatholikInnen der gemäßigten Sammelbewegung Margherita das Gesetz im Parlament revidieren wollen, unterstützen die LinksdemokratInnen und die AnhängerInnen des Gewerkschaftsverbands CGIL die Referendumskampagne der Radikalen, die die Referendumskampagne in die Wege geleitet haben. Der Vatikan verteidigt das Gesetz, während der ehemalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi vor einer Volksabstimmung über das heikle Thema gewarnt hatte. (APA)