Unentwegt läutet das Handy, der eigene Name steht in allen Zeitungen. Es ist wieder ordentlich was los im Leben von Josef Kalina, dem neuen SPÖ-Kommunikationschef.

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Standard: Herr Kalina, was genau wird Ihre Aufgabe in der SPÖ-Bundespartei sein?

Kalina: Für mich hat Priorität, zuerst das Team zusammenzufassen. Es gibt sehr engagierte Mitarbeiter, die meisten kennen mich, und ich kenne sie. Mit denen möchte ich mich zusammensetzen und eine Art Zustandsanalyse machen. Dann werden wir gemeinsam die Vernetzung herstellen, die notwendig ist, damit wir schlagkräftig die programmatischen Inhalte nach draußen tragen können.

Standard: Wem sind Sie verantwortlich?

Kalina: Dem Bundesparteivorsitzenden. Mein Bereich umfasst die gesamte Kommunikation nach innen und nach außen. Das halte ich für wesentlich, weil man kann nach innen nicht anders kommunizieren als nach außen.

Standard: Was ist bislang schief gelaufen?

Kalina: Wir müssen Themen bündeln und draufbleiben. Etwa in der Bildungsdebatte. Ich bin selber Vorsitzender in einem Elternverein und weiß genau, wie die Schulen unter dem Spardruck leiden und wie das die Menschen betrifft. Es ist nicht genug, das punktuell anzugehen und gute Konzepte hinzulegen, sondern man muss sehr sehr konsequent und oft seine Botschaft unter die Leute bringen. Kontinuität in der Medienarbeit ist sicher einer der wesentlichen Punkte.

Standard: Bislang leitete Katharina Krawagna-Pfeifer die Medienarbeit, Kompetenzen in dieser Frage liegen sowohl bei Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos und Doris Bures. Sind Sie nun ganz allein verantwortlich?

Kalina: Ich habe vor drei Tagen zugesagt, heute ist die Nominierung erfolgt. Wer was genau machen wird, kann ich noch nicht sagen. Aber es wird auch zu personellen Veränderungen kommen. In jedem größeren Team gibt es immer Fluktuationen. Details kann ich noch nicht nennen.

Standard: Gusenbauer wird nachgesagt, beratungsresistent zu sein. Können Sie das als einer, der ihn schon bislang privat beraten hat, bestätigen?

Kalina: Ich kann das nicht nachvollziehen. Wo es messbare Fakten gibt, ist die SPÖ erfolgreich bis sehr erfolgreich. Dort, wo teilweise selbst ernannte Punkterichter Haltungsnoten verteilen, wurde die eine oder andere gerechte, aber auch ungerechte Beurteilung gegeben. Man darf nicht vergessen, in welcher Situation Gusenbauer die Partei damals übernommen hat. Fünf Jahre später steht die Partei wirklich gut da. Das ist eine gewaltige Leistung.

Standard: Trotzdem herrscht die Meinung vor: Die SPÖ ist nicht wegen, sondern trotz Gusenbauer erfolgreich. Müssen Sie an seinem Image feilen?

Kalina: Man kann nicht sagen, dass der, der das übernommen hat, keinen Anteil am Erfolg hat. Das ist natürlich eine Darstellung, die vom politischen Mitbewerber verbreitet wird. Was das Verändern von Images betrifft, bin ich äußerst skeptisch. Die SPÖ unter Alfred Gusenbauer punktet vor allem, dass sie die besseren Konzepte hat - und die Regierung fast nichts zustande bringt. Diese Regierung wird sicher abgewählt werden.

Standard: Spüren Sie Vorbehalte gegenüber ihrem Ruf als Klimas Spin-Doktor?

Kalina: Nein. Viktor Klima war in der Partei und bei den Leuten äußerst beliebt. Das ist ein Grund dafür, dass man mich ersucht hat, das wieder zu machen. Jede Partei braucht Spin-Doktoren.

Standard: Eine persönliche Frage: Hätten Sie die nächsten Jahre auch ohne Politik ausgehalten?

Kalina: Nein. Es sind meine Freunde, die zurzeit am Werken sind. Sie haben eine wesentliche Aufgabe übernommen: ein anderes Politikkonzept für dieses Land, abseits dieses technokratischen, kaltschnäuzigen Zugangs eines Herrn Schüssels umzusetzen. Als das Angebot kam, habe ich kurz mit meiner Frau überlegt und sie hat gesagt: "Ich weiß, eh ganz genau, dass du das wirklich machen willst und dass dir das Spaß macht, also mach das." (DER STANDARD Printausgabe 14.1.05)