STANDARD: Was feiert die FPÖ im Jubeljahr 2005? Stadler: Die FPÖ-Akademie wird Veranstaltungen organisieren, bei denen die Besatzungszeit kritisch betrachtet wird. Es wird auch um die Frage gehen, wie viel Souveränität Österreich eingebüßt hat, seit wir in der EU sind.

STANDARD: Ereignisse, wie die Befreiung vom Nationalsozialismus werden nicht gefeiert?
Stadler: Wie stellt man sich das denn vor? Mit Sektkorken knallen oder mit Papierschlangen? Feiern halte ich für einen Fehlbegriff. Wir nehmen die Datumszahlen zum Anlass, kritische Diskussionen zu organisieren. Es gehört ja auch gefragt, ob wir nicht schon längst in einer Dritten Republik angelangt sind.

STANDARD: Wie meinen Sie das?
Stadler: Die Zweite Republik ist im Wesentlichen durch das Sozialpartnermodell geprägt gewesen. Da muss man die Frage stellen, was davon noch geblieben ist, wo die Vor-, aber auch die Nachteile liegen.

STANDARD: Wird mit der Bundes-FP zusammen geplant?
Stadler: Wir machen Vorschläge, und das wird dann mit der Parteiführung beraten. Aber wir haben es noch nicht eilig.

STANDARD: 2005 ist schon da.
Stadler: Das wissen wir schon. Das Jahr dauert noch über 300 Tage - Zeit genug also.

STANDARD: Fürchten Sie, dass die FPÖ als kleiner Koalitionspartner im angesagten Trubel der ÖVP untergehen wird?
Stadler: Natürlich habe ich die Sorge, dass die FPÖ vereinnahmt wird. So wie es jetzt scheint, werden das schlicht und einfach Kanzlerfeste, die als Vorwahlkampf dienen.

STANDARD: Was soll die FPÖ machen?
Stadler: Das weiß ich nicht. Ich habe keine Möglichkeit, dies in der Regierung zu beeinflussen. Das müssen jene tun, die dort das Sagen haben.

STANDARD : Wird sich die Akademie auch kritisch mit der eigenen Partei auseinander setzen? Stadler: Das tun wir. Keine Partei befasst sich so intensiv mit ihrer Geschichte - zugegeben, öfter gezwungenermaßen als freiwillig. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2005)