Wien/Berlin - Während die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries heimliche Vaterschaftstests mittels DNA-Analyse künftig unter Strafe stellen will, sieht man in Österreich dafür keinen Bedarf. Denn schon jetzt sei die Genprobe ohne Zustimmung der Mutter illegal und drüber hinaus vor Gericht nutzlos, heißt es im Justizressort.

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Die Angebote privater Labors sind für zweifelnde Männer vielversprechend. Nicht nur im Internet werden Vaterschaftstests beworben, auch bei der Drogeriekette Bipa kann man um 15 Euro ein "Abnahmeset" der Grazer Firma EccoCell kaufen. "Darin sind vier Abnahmeröhrchen, Formulare und eine Infobroschüre enthalten", schildert Günther Draxl von EccoCell. Zum Preis von 550 Euro (für ein Ergebnis innerhalb von sieben Tagen) seien in den vergangenen eineinhalb Jahren schon "mehrere hundert Proben analysiert" worden, rechnet Draxl vor.

Und versichert, dass es rechtmäßig sei, wenn die nötigen Mundhöhlenabstriche nur von Vater und Kind stammen. "Wenn der Vater der Erziehungsberechtigte des Kindes ist, kann er die Probe einsenden." Für ein gerichtlich verwertbares Privatgutachten, das auf 1050 Euro kommt, müsse die Probenentnahme aber durch eine Ärztin/einen Arzt oder eine Rechtsanwältin/ einen Rechtsanwalt beaufsichtigt werden.

Widerstreitende Interessen

Stimmt nicht, kontert Michael Stormann, Leiter der Abteilung Familienrecht im Justizministerium. "Da steht schon der Paragraf 271 des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches dagegen." In diesem sei nämlich geregelt, dass für den Fall von widerstreitenden Interessen eines Kindes und seines gesetzlichen Vertreters das Gericht eine/n Kurator/in bestellen muss.

Und ein Interessenkonflikt sei die Entnahme einer DNA-Probe für einen Vaterschaftstest auf jeden Fall, betont Stormann. Denn die DNA eines Menschen darf in Österreich nur mit der Zustimmung des Betroffenen entnommen werden. Auch die Gerichtsverwertbarkeit eines Privatgutachtens sei eine leere Versprechung, betont der Jurist. "Alleine der Umstand, vor Gericht zu sagen 'Ich hab das gemacht und will deswegen die Vaterschaft anfechten' ist schon problematisch. Denn zu dem Ergebnis kann man nur durch eine rechtswidrige Geheimnisverletzung gekommen sein."

Es habe allerdings bisher in Österreich noch keine Gerichtsentscheidung in der Causa gegeben.

Abstammungsrecht geändert

Grundsätzlich würden die Gentests aber sehr wohl eine Rolle bei der Antwort auf die Vaterschaftsfrage spielen. Sogar stärker als früher, wurde doch das Abstammungsrecht mit 1. Jänner geändert. Einerseits können Männer vor der Anerkennung unehelicher Kinder vor Gericht einen Antrag auf eine DNA-Untersuchung stellen, deren Kosten gedrittelt werden. Und andererseits kann nun auch ein Kind einen Antrag gegen den Vater stellen, um einen Erzeuger-Tausch zu erreichen. (Michael Möseneder/D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 14.1. 2004)