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Ein Verletzter wird nach dem Anschlag bei einem Grenzübergang zwischen Israel und dem Gazastreifen abtrasportiert.

Foto: REUTERS/Alberto Dankberg
Jerusalem/Ramallah/Gaza - Wenige Tage nach der mit großen Friedenshoffnungen verbundenen palästinensischen Präsidentenwahl haben drei Extremisten bei einem Anschlag auf den Karni-Grenzübergang zwischen Israel und dem Gaza-Streifen sechs Israelis getötet. Nach dem Anschlag hat Israel sämtliche Grenzübergänge geschlossen. Neben der radikalen Hamas-Bewegung bekannten sich auch die Fatah-Elementen zusammengesetzten Al-Aksa-Märtyrerbrigaden und die "Volkswiderstandskomitees" zu dem Attentat.

Hamas: "Botschaft an den israelischen Feind"

Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri bezeichnete den Angriff als "Botschaft an den israelischen Feind, aber definitiv nicht an Abu Mazen", wie der PLO-Vorsitzende und neu gewählte palästinensische Präsident Mahmud Abbas auch genannt wird, der am morgigen Samstag in Ramallah vereidigt werden soll. Erst am Donnerstag hatte der Hamas-Führer im Westjordanland, Scheich Hassan Yussef, gesagt, seine Bewegung sei im Begriff, die Strategie der Gewalt zu überdenken und mit Abbas zu verhandeln. Auf den Karni-Anschlag angesprochen, sagte Yussef am Freitag, die Hamas sei in ihrem Handeln frei, solange es keine Übereinkunft gebe.

Die palästinensische Führung hat Israel nach dem blutigen Anschlag zu einem beiderseitigen Ende der Gewalt aufgerufen. "Eine Waffenruhe ist der Weg zu einem Ende der Gewalt und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch", sagte Präsidentenberater Nabil Abu Rudeina in Ramallah. "Israel sollte seine militärischen Angriffe einstellen (...) und sich aus palästinensischen Städten zurückziehen", fügte er hinzu. Damit die palästinensische Führung durchgreifen könne, müsse die israelische Armee die von ihr okkupierten Zonen räumen.

Tausende Palästinenser feiern Anschlag

Tausende Palästinenser haben am Freitag den Bombenanschlag auf einen israelischen Grenzposten gefeiert, bei dem in der vergangenen Nacht sechs Israelis ums Leben gekommen waren. Der Anschlag am Grenzübergang Karni zwischen dem Gaza-Streifen und Israel, zu dem sich mehrere Extremistengruppen bekannt haben, gilt als vorerst größte Herausforderung für den Friedenskurs des neuen Präsidenten Mahmud Abbas. Viele der Teilnehmer der als "Siegesmarsch" bezeichneten Kundgebung in Jabalia im Gaza-Streifen trugen grüne islamische Fahnen mit sich.

Extremisten drohen Israel mit weiteren Angriffen

Zu der Demonstration hatten militante Gruppen aufgerufen, die Abbas zu einem Ende der Gewalt gegen Israel aufgerufen hatte. Israel signalisierte, mit Bedacht auf die Vorfälle zu reagieren, um eine Schwächung von Abbas zu vermeiden. Sechs israelische Zivilisten seien bei der Explosion sowie einem Angriff von Extremisten am Grenzposten Karni getötet worden, teilte das israelische Militär mit. Die Armee habe dann mindestens drei Angreifer erschossen.

Israel: "Zeit für Abbas"

Die neue israelische Justizministerin Zipi Livneh erklärte am Freitag, die Position des neuen palästinensischen Präsidenten müsse gestärkt werden. Israel werde Abbas noch etwas Zeit einräumen, die Extremisten zu stoppen, sagte die Likud-Politikerin im Armeeradio. Der palästinensische Sicherheitschef General Abdelrazzek Majaida teilte mit, zur Bekämpfung der Kriminalität sei eine neue Eliteeinheit gebildet worden. Sie umfasse 750 Beamte, deren Aufgabe die Verfolgung und Entwaffnung von Straftätern sei. Die Einheit sei aber nicht dafür zuständig, gegen Extremisten vorzugehen, die in Anschläge auf Israel verwickelt seien.

Die Attentäter brachten am Donnerstag gegen 23.00 Uhr (22.00 MEZ) am Tor einer Sicherheitsmauer des Grenzübergangs Karni eine bis zu 100 Kilogramm schwere Bombe zur Explosion, wie es von Seiten der Streitkräfte und im israelischen Armeeradio hieß. Durch das Loch, das die Detonation in die Mauer riss, stürmten nach Militärangaben drei Bewaffnete auf die andere Seite und feuerten auf die Israelis, bis sie selbst erschossen wurden. Unter den sechs israelischen Opfern waren zwei Lastwagenfahrer.

Über den Grenzübergang Karni wird der Transport von landwirtschaftlichen Produkten und anderen Gütern abgewickelt. Israel sperrte als Reaktion auf den Anschlag auch den Grenzübergang Erez, der in der Regel von Diplomaten und Journalisten sowie von Palästinensern genutzt wird, die in Israel arbeiten. Bereits seit Dezember ist ein dritter wichtiger Übergang in der Nähe von Rafah im Süden des Gaza-Streifens an der Grenze zu Ägypten geschlossen.

Raketen

Noch in der Nacht feuerten israelische Kampfhubschrauber drei Raketen auf ein Haus im zentralen Gaza-Streifen ab, das laut Militär vom Islamischen Jihad benutzt wurde. Ein Mensch wurde dabei leicht verletzt. Erst Stunden zuvor hatte der Hamas-Führer im Westjordanland, Scheich Hassan Yousef, gesagt, die Gruppe sei dabei, die Strategie der Gewalt zu überdenken.

Über den Übergang Karni wird ein großer Teil des Warenverkehrs zwischen Israel und dem Gaza-Streifen abgewickelt. Für die Versorgung der Menschen im Gaza-Streifen ist er lebenswichtig. Verkehrsminister Meir Sheetrit gab nach dem Anschlag bekannt, der Posten werde bis auf weiteres geschlossen. "Wir können nicht zulassen, dass unsere Mitarbeiter an diesem Übergang getötet werden, welcher der palästinensischen Bevölkerung nutzen soll", erklärte Sheetrit. (APA/AP/Reuters/dpa)