Boston - Wissenschafter hoffen, dass ein altersbedingter Gehörverlust durch die Stimulierung des Wachstums von neuen Haarzellen im Innenohr behandelt werden kann. Das Team unter der Leitung der Harvard Medical School hat entdeckt, dass die Entfernung eines bestimmten Gens, des Retinoblastoma-Gens (pRb), zur Bildung neuer Haarzellen führen kann. Der Verlust von Haarzellen ist die am häufigsten verbreitete Ursache für Gehörverlust bei älteren Menschen. Die Ergebnisse der Studie wurden in Science veröffentlicht.

Tests

Die Forscher untersuchten die Genaktivität während der embryonalen Entwicklung des Innenohres und kamen zu dem Schluss, dass ein Gen ein Protein herstellt, das die Regeneration von Haarzellen auf Dauer blockiert. Vor allem das Retinoblastoma-Gen (pRb) schien besonders aktiv zu sein. Mäuse, die ohne dieses Gen gezüchtet wurden, hatten Probleme mit der Funktion ihres Innenohres, da sie über zu viele Haare verfügten. Weitere Analysen zeigten, dass sie über mehr Haarzellen verfügten als normale Tiere und dass sich diese Zellen aktiv vermehrten. Tests ergaben, dass diese Zellen normal funktionierten.

Anschließend deaktivierten die Wissenschafter das Retinoblastoma-Gen in Innenohrzellen von erwachsenen Tieren. In der Folge begannen die Zellen wieder sich zu vermehren. Laut David Corey seien aber weitere Untersuchungen notwendig, um das Verfahren zu verfeinern. Die reine Deaktivierung des Gens könnte zu einem unkontrollierten Zellwachstum und später zur Entstehung einer Krebserkrankung führen könnte. Entscheidend wird laut BBC sein, das Gen genau so lange zu deaktivieren, bis wieder ausreichend Haarzellen vorhanden sind.

Hintergrund

Die Haarzellen in der Cochlea entdecken Töne durch Vibration als Reaktion auf Schallwellen. In der Folge werden Nervenimpulse ausgelöst, die ihrerseits in das Gehörzentrum im Gehirn gelangen. Normalerweise werden Menschen mit einem Komplement von rund 50.000 Haarzellen geboren. Da sich diese Zellen nicht regenerieren, führt die ständige Verringerung ihrer Anzahl, die den Alterungsprozess begleiten kann, bei rund einem Drittel der Bevölkerung bis zum 70. Lebensjahr zu einem deutlichen Verlust des Hörvermögens. Es wird geschätzt, dass mehr als 50 Mio. Menschen in der westlichen Welt und den Vereinigten Staaten betroffen sind. Der Verlust von Haarzellen kann durch Krankheit, bestimmte Medikamente und Geräuschbelastungen des Ohres verursacht werden. (pte)