Bild nicht mehr verfügbar.

Fotogener Flug über den Hundschopf.

Foto: APA/EPA
Wengen - Benjamin Raich, der am Freitag in Wengen die "Super-Kombination" gewonnen hat, wird am Samstag bei der klassischen Lauberhorn-Abfahrt (12:30 Uhr) nicht an den Start gehen. Der Tiroler und die ÖSV-Spitze haben diese Entscheidung auf Grund der großen Belastungen in den kommenden Wochen getroffen. Auch Daron Rahlves wird nach seinem heftigen Sturz in Adelboden auf das Rennen verzichten.

75 Jahre Wengen werden am Wochenende gefeiert. Die Siegerliste am Mythos Lauberhorn liest sich wie ein Who is Who des Skisports, die Rennstrecke mit den Schlüsselstellen Hundschopf, Minschkante, Brüggli, Hanegg-Schuss und Ziel-S schrieb viele legendäre Geschichten - schöne, aber auch traurige.

Unvergleichlicher Klassiker...

So blickt auch der ÖSV mit gemischten Gefühlen auf die Historie der 4.465 m langen Strecke: auf der einen Seite die vielen Triumphe durch Karl Schranz, Toni Sailer, Franz Klammer (drei Siege von '75 bis '77) oder Benjamin Raich, auf der anderen Seite der tragische Unfall des jungen Gernot Reinstadler, der 1991 in Wengen tödlich verunglückte.

Der Dinosaurier unter den Rennstrecken ist ein Relikt aus längst vergangener Zeit, das nicht auf dem Reißbrett eines Pistenbauers entstanden ist. Architekt war die Natur. Das Lauberhorn hat seine eigenen Gesetze, gegen die auch das Regelwerk der FIS machtlos sind. Keine Strecke der Welt würde heutzutage noch so homologiert werden. "Jurassic Park" nannte sie Luc Alphand. "Wenn man hier herunterfährt, wird einem bewusst, warum man so gerne Skirennfahrer ist", meint Weltmeiste Michael Walchhofer.

...oder Großmutter-Rennen?

Aber nicht alle Athleten stimmen in die Jubelarie ein. Der kauzige Oldtimer Paul Accola, konnte sich nie mit dem Rennen in seiner Heimat anfreunden: "Das ist ein Großmutter-Rennen auf einer planierten Autobahn. Wenn einer schnelle Ski hat, kann jeder gewinnen. Man sollte mal mit einem Ratrac über die Piste, ohne die Fräse runterzulassen. Dann würde es wieder interessant."

Keine Zeit für Jubiläumsfeierlichkeiten hat der aktuelle Gesamt-Weltcup-Leader Bode Miller. "Ein Jubiläum bedeutet mir eigentlich nicht viel, ob 73 oder 77 Rennen ist mir egal. Aber dass es so oft ausgetragen worden ist, das spricht für sich - das ist Skigeschichte", meinte der US-Amerikaner. (APA/SIZ/red)

  • ÖSV-Abfahrtsteam: Werner Franz, Thomas Graggaber, Christoph Gruber, Johann Grugger, Klaus Kröll, Hermann Maier, Mario Scheiber, Fritz Strobl, Michael Walchhofer

    Österreichische Sieger am Lauberhorn:

     1968: Gerhard Nenning
     1969: Karl Schranz
     1975: Franz Klammer
     1976: Franz Klammer
     1977: Franz Klammer
     1982: Harti Weirather
     1985: Helmuth Höflehner
     1985: Peter Wirnsberger
     1998: Hermann Maier
     1998: Andreas Schifferer
     2000: Josef Strobl
     2002: Stephan Eberharter
     2003: Stephan Eberharter