Bild nicht mehr verfügbar.

Israels Premier Sharon kündigte Härte gegenüber radikalen Palästinensern an.

Foto: AP/David Silverman
Zum Feiern und Gratulieren war trotz der "historischen Stunde" niemand so richtig aufgelegt. Mitten in einer ausgewachsenen Krise legte Mahmud Abbas im Mukataa-Gebäude in Ramallah am Samstag seinen Amtseid ab - die Erwartungen, dass seine Wahl zum Palästinenserchef einen neuen Dialog mit den Israelis einleiten könnte, waren nach wenigen Tagen schon wieder verflogen, und die Machtbasis des als pragmatisch geltenden Politikers schien nicht wirklich tragfähig zu sein.

Hatte Israel am Tag zuvor als Reaktion auf einen blutigen Anschlag auf ein Grenzterminal alle Kontakte mit der Autonomiebehörde suspendiert und von Abbas ultimativ Handlungen gegen die Terrorgruppen gefordert, so stellte die Hamas-Führung klar, dass sie auf keinen Fall für einen Waffenstillstand zu haben sei.

Raketenangriffe

Zugleich brodelte am Wochenende die Gewalt im Gazastreifen wie in den schlechtesten Zeiten wieder hoch. Bei Einsätzen israelischer Bodentruppen in einem Randbezirk von Gaza-Stadt und im Süden wurden insgesamt acht Palästinenser getötet, während Kampfhubschrauber versuchten, am Nordrand des Gazastreifens Raketenwerfer der Hamas auszuschalten. Trotzdem landeten wieder Kassam-Raketen und Mörsergranaten in jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und in israelischen Grenzorten. Ein 17-jähriges Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt, als es sich schützend vor seinen zehnjährigen Bruder stellte, und einem siebenjährigen Buben wurde die Hand abgetrennt.

Dabei hatte Abbas in seiner Antrittsrede die von ihm bekannten milden Töne angeschlagen. "Wir verurteilen diese Aktionen, ob sie von den israelischen Besatzungstruppen kommen oder als Reaktionen einiger palästinensischer Gruppen", sagte Abbas. "Unsere Hand ist einem israelischen Partner entgegengestreckt, um Frieden zu schließen."

Komplizen im Apparat

Doch nach israelischen Vermutungen hatten die drei Angreifer, die Donnerstagnacht sechs Zivilisten am Grenzübergang Karni erschossen, Komplizen im palästinensischen Polizeiapparat, und Premierminister Ariel Sharon sagte vor seinem Ministerrat, dass "die Palästinenser keinen Finger rühren". Deshalb habe er die Armee angewiesen, "die Aktivitäten zum Stopp des Terrors zu intensivieren, und ich betone: ohne Beschränkungen".

Abbas wollte seinerseits in den nächsten Tagen in den Gazastreifen fahren, um, wie im Wahlkampf angekündigt, mit den radikalen Gruppen - Hamas und Islamischer Djihad - Gespräche aufzunehmen. Doch angesichts der Kommentare islamistischer Funktionäre schien die Mission von vornherein sinnlos: "Wir sind in einer Position, die es uns nicht erlaubt, einen Waffenstillstand zu akzeptieren", sagte Mussa Abu Marsuk vom Hamas-Politbüro in Syriens Hauptstadt Damaskus. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2005)