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Polizeisprecher Wolfgang Wenger zeigt die Fotos vom mutmaß- lichen Moshammer-Mörder, der sich nach der Tat die Haare abrasierte

Foto: AP/ DIETHER ENDLICHER

Ein 25-jähriger Iraker wurde in München als mutmaßlicher Mörder von Rudolph Moshammer festgenommen. Er gestand, den Modemacher im Streit um Bezahlung von sexuellen Diensten getötet zu haben.

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München - Nach nur zwei Tagen ist der Mord an dem Münchner Modemacher Rudolph Moshammer aufgeklärt. Der am Samstagabend festgenommene 25 Jahre alte Herisch A. hat gestanden, den 64-Jährigen in der Nacht zum Freitag in dessen Haus in München-Grünwald erdrosselt zu haben. Ursache für das Verbrechen war ein Streit um 2000 Euro als Bezahlung für sexuelle Handlungen, erklärte der Leiter der Sonderkommission Moshammer, Harald Pickert, am Sonntag bei einer Pressekonferenz.

Moshammer hatte keine Chance

Der Täter habe Moshammer ein Telefonkabel "blitzschnell" um den Hals gelegt und zugezogen. "Herr Moshammer hatte keine Chance", sagte Pickert. Anschließend habe der mutmaßliche Täter die Taschen seines Opfers und dessen Wohnung durchsucht. Ob er sein Opfer bestohlen hat, ist unklar. Die Polizei geht von Mord aus, bei dem "Heimtücke" und "Habgier" im Spiel gewesen seien.

Unvorsichtig

Pickert sagte, Moshammer sei in seinen sexuellen Kontakten offensichtlich sehr unvorsichtig gewesen. Es scheine öfter der Fall gewesen zu sein, dass er junge Männer mit nach Hause genommen habe. Ein Zeuge hatte am Freitagabend nahe des Hauptbahnhofs Moshammer in dessen Rolls-Royce gesehen. Am Beifahrersitz saß ein junger Mann mit tief ins Gesicht gezogener weißer Mütze.

Verräterische Speichelprobe

Der mutmaßliche Mörder wurde aufgrund von DNA-Spuren im Haus Moshammers und im Rolls-Royce überführt. Der genetische Fingerabdruck des Irakers war in der Datei des Bundeskriminalamts gespeichert. Er ist nach Auskunft von Staatsanwalt Peter Boje nicht vorbestraft, war aber im vorigen Jahr wegen eines Sexualdelikts "im heterosexuellen Bereich" ins Visier der Polizei geraten. Das Verfahren wurde eingestellt, doch hatte Herisch A. freiwillig eine Speichelprobe abgegeben. Diese war laut Boje die Grundlage für den schnellen Ermittlungserfolg.

Kein Widerstand

Der Mann sei am Samstagabend in seiner eigenen Wohnung festgenommen worden. Er habe keinen Widerstand geleistet. In der Hoffnung, einer Verfolgung zu entgehen, hatte er sich offensichtlich nach der Tat die Kopfhaare abrasieret, um sein Aussehen zu verändern.

Der gebrochen Deutsch sprechende Iraker ist nach Erkenntnissen der Ermittler 2001 nach Deutschland gekommen, hat einen Asylantrag gestellt und besitzt eine gültige Aufenthaltserlaubnis. Er arbeitete als Koch in einem gastronomischen Betrieb in München.

Spieler

Bei den ersten Vernehmungen sei seine Stimmung von "Selbstmitleid" geprägt gewesen, berichteten die Ermittler. Er leide unter finanziellen Problemen und "klagt darüber, dass er sich in seinem Leben nichts leisten kann" - während andere Menschen im Luxus lebten. Er sei ein Automatenspieler, der "sämtliche Spielotheken in der Bahnhofsgegend abklappert". Ob er sich auch in der Stricherszene bewegt, blieb vorerst unklar. "Er sagt, er ist kein Stricher", betonten die Ermittler. (dpa, DER STANDARD Printausgabe 16.1.2005)