kosmostheater.at

Foto: Kosmostheater/Stefanie Stuhldreier

Wien – Die Figuren in Martin Heckmanns' Sprachweihespiel Schieß doch, Kaufhaus! sind wahre Akkordarbeiter im Dienste einer schmählich scheiternden Selbstbehauptung. Die Globalisierungskräfte, die Märkte miteinander kurz schließen und die Brotkörbe für die Kleindienstleister höher hängen, setzen Sprachlawinen frei. Heckmanns Figuren – Variable im Gefolge der Entfremdung – heißen "Klär", "Fetz", "Kling" oder "Knax". Man hört im Nachhall dieser Namenerfindungen das behagliche Knuspern der Festplatten: als bräche man Butterkekse entzwei.

Wer auf der Höhe der Einsichten bleiben will, muss sich selbst zur intellektuellen Datenkläranlage umformen. Die Heckmanns-Erstaufführung im Wiener KosmosTheater trägt dem Verlust der Anschaulichkeit freudenstrahlend Rechnung.

Man sieht fünf attraktive Twenty-Somethings, die auf einem Baugerüst herumklettern, bei einer diskursiven Wehrsportübung zu. Letzte Lockerung vor dem Sprung in ein Arbeitsleben, das weniger der Fertigung von Waren als der Stärkung der je eigenen Kaufkraft dienen soll.

Regisseurin Katrin Schurich trifft ihre szenischen Entscheidungen mit instinktiver Richtigkeit: Sie schält ihre Darsteller aus Baumarkt-Tragetaschen heraus. Sie hetzt sie die Leiter hinauf und hinunter, stellt sie neben Ziffern aus Pappe, sieht Freizeitekstatikern beim "Chillen" zu – während sie aus Heckmanns' Szene-Fragmenten diskursives Kleinholz macht.

Der Schauplatz dieser hoch achtbaren Kapitalismus-Séance sind die Körper der Darsteller. Aus ihrer Atemlosigkeit, ihren Verrenkungen entsteht jenes schwer fassbare Zwischenreich, in dem sich der Mensch gerade noch als Herr seiner Entscheidungen fühlen kann – um nur schon nachzuplappern, was ihm der Tauschmarkt geläufiger Phrasen in den Mund legt: "Schmeiß dich in irgendeinen Kampf, so lange du noch einen Körper hast", heißt es bei Suhrkamp-Autor Heckmanns.

Aus der Gruppe der Uniformität ragen zwei Darsteller noch heraus: die strähnig verschwitzte Zeitbombe auf Beinen (Christian Strasser als Ätz), der scheißliberale Globalisierungsproblemlöser (Sven Kaschte als Klar). Ein vorzüglich ambitionierter Abend über die Folgekosten des Lebens.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.1.2005)