Warschau - In Polen ist als Antwort auf die deutsche Vertriebenenorganisation "Preußische Treuhand" und zum Kampf um Reparationsforderungen die "Polnische Treuhand" gegründet worden. Die Gruppe sei in Gdingen (Gdynia) als Verein eingetragen worden, sagte ein Mitarbeiter der Vorsitzenden der "Polnischen Treuhand", der rechten Oppositionsabgeordneten Dorota Arciszewska-Mielewczyk, am Dienstag.

Der Verein zähle 15 Mitglieder und wolle Polen gegen deutsche Entschädigungsforderungen schützen und denjenigen Polen helfen, die Entschädigungsforderungen an den deutschen Staat stellen wollten, hieß es weiter. 800 Anfragen um Unterstützung lägen der "Polnischen Treuhand" bereits vor.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Marschewski kritisierte die Gründung der "Polnischen Treuhand" mit Blick auf das deutsch-polnische Verhältnis als bedauerlich. Es sei unverständlich, dass die Organisation als Reaktion auf die "Preußische Treuhand" gegründet worden sei, die weder von der deutschen Regierung noch von einer der im Parlament vertretenen Parteien oder vom Bund der Vertriebenen unterstützt werde. Marschewski forderte die polnische Regierung und das Parlament in Warschau dazu auf, sich rasch von der Organisation zu distanzieren.

Im vergangenen Jahr hatte die "Preußische Treuhand" Entschädigungsklagen gegen Polen von kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen angekündigt. Gutachter beider Länder hatten im November erklärt, derartige Forderungen hätten keine Aussicht auf Erfolg, egal ob vor deutschen, polnischen, amerikanischen oder internationalen Gerichten.

Der Bund der Vertriebenen kritisierte das Gutachten als nicht überzeugend. In Polen hatte die Ankündigung der "Preußischen Treuhand" eine Welle des Protestes ausgelöst. Verschiedene Stimmen in Polen forderten von Berlin eine Reparation für die polnischen Verluste durch den Zweiten Weltkrieg. (APA)