Foto: Standard/Fischer
+++ Pro Von Fritz Neumann

Preis und Wert entfernen sich voneinander. Das Skifahren wird immer teurer und gleichzeitig gefährlicher. Wo früher der Tellerlift einen nach dem anderen beförderte, fertigt heute ein Sechsersessellift die Massen ab (okay, leichte Übertreibung), und wo man einst am Sessellift schaukelte, fährt jetzt eine Gondel. Die Errichtung des Sessellifts und der Gondel hat gekostet, dafür zahlt der Konsument. Er muss sich vielleicht nicht mehr lange anstellen, wenn er hinauf will, dafür spielt es sich, wenn er wieder hinunter will, auf den Hängen umso ärger ab.

Skifahren in der Hochsaison oder am Wochenende ist kein Vergnügen mehr, sondern der reine Stress. Wer sich das antut, ist entweder Masochist oder kann vielleicht nicht anders, weil er schulpflichtige Kinder hat. Kein Wunder jedenfalls, dass immer mehr Unfälle passieren. Jeder Zweite glaubt, dass die Piste ihm allein gehört. Dass auf Skihütten Alkohol ausgeschenkt wird, bis der Skifahrer fahren muss, weil er stehen nicht mehr kann, kommt noch dazu. Einige wollen nicht einmal auf Stephan Eberharter hören, der für den ORF und "Sport am Sonntag" den Pistensheriff gibt.

Bleibt der Lautsprecher, über den da und dort tatsächlich zu besonnener Fahrweise aufgefordert wird. Und wenn zum Beispiel der kleine Fritzi einmal verloren geht, kann er seine Mutti ausrufen lassen. Dass immer öfter auch der DJ Ötzi aus den Boxen kommt, tut, zugegeben, weh. Aber wenn schon Masochist, dann gleich ordentlich.

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Contra- - -
Von Luzia Schrampf

Blütenweißer Schnee glitzert wunderprächtig in der strahlenden Sonne und knirscht vertraut beim Kanteneinsatz. Erfrischende Winterluft umweht das Haupt der Skiurlauberin, in der Natur spürt man, dass man noch immer so etwas wie Ohren hat. Man hat den Vormittag ohne "Kapitalen" überstanden, und die aus der Großstadt mitgebrachte Micky-Maus-Kondition scheint auch für den Nachmittag zu reichen. Sicherheitshalber fasst man eine kleine Labung ins Auge und gerät mitten ins Klang-Gefecht benachbarter Skihütten. Irgendwann werde auch ich Statistiken und Studien finden, die belegen, dass über die Alm schallende Musikdarbietungen die Laune der Urlaubenden und den Umsatz der Wirte ins Unermessliche zu steigern vermögen. Weshalb sonst das Ganze?

Als ob nicht die Dauerbeschallung Belästigung genug wäre, vernimmt man mit Befremden, dass sich da einer in erklecklicher Phonzahl "zehn nackte Friseusen mit richtig feuchten Haaren" wünscht. Man ist sprachlos angesichts der Gefahren im Leben von "zehn Filzläusen", die entweder abstürzten, weggespült oder unfreiwillig übersiedelt wurden und daher endlich "aus dem Filz herauskommen" mögen. Zehn scheint also eine Art magische Zahl zu sein. Bei "Bon Jorno, John Porno" ersehnt jeder Fan von Punk und Death Metal Erlösung durch Hansi Hinterseer oder einen "Zillertaler", irgendeinen!!

Und spätestens dann ist es soweit: Die Börse wird gezückt, man zahlt, was zu bezahlen ist, und ist auch schon weg, ganz wirklich. (Der Standard/rondo/21/01/2005)