Das Kosovo dürfte im Februar eine eigene Landes-Telefonvorwahl bekommen. Der Leiter der UNO-Übergangsverwaltung (UNMIK) in der südserbischen Provinz, Sören Jessen-Petersen, rechnet nach Angaben der Belgrader Tageszeitung "Glas javnost" (Freitagsausgabe) bis zu diesem Termin mit einer positiven Antwort der Internationalen Telekommunikationsunion (ITU) auf den entsprechenden Antrag der Provinzregierung.

Jessen-Petersen hatte am vergangenen Freitag in dieser Frage mit ITU-Vertretern in Genf gesprochen. Derzeit gilt für das Kosovo, das völkerrechtlich zu Serbien gehört, seit 1999 aber unter internationaler Verwaltung steht, die Vorwahl des serbisch-montenegrinischen Staatenbundes (00 381).

In Belgrad hat die Ankündigung, dass die Provinz eine eigene Vorwahl bekommen könnte, heftige Reaktionen ausgelöst. Jessen-Petersen habe mit dem Antrag den Status der Provinz präjudiziert und seine eigenen Befugnisse verletzt, meinte Branko Radujko, Berater des serbischen Präsidenten Tadic.

Auch für den serbischen Investitionsminister Velimir Ilic wäre die Einführung einer eigenen Landes-Vorwahl für die südserbische Provinz eine Verletzung der UNO-Resolution zum Kosovo Nummer 1244 vom Juni 1999. Darin ist festgehalten, dass die Provinz ein Bestandteil der Bundesrepublik Jugoslawien - dem heutigen Serbien-Montenegro - ist.

Randjel Nojkic, ein Führer der Kosovo-Serben, versteht die eigene Landes-Vorwahl ebenfalls als ersten Schritt hin zur Unabhängigkeit der Provinz. Gegenüber der Tageszeitung verwies er auch auf die Probleme, die die serbische Telekommunikationsgesellschaft dann hätte. Sie würde nämlich verpflichtet sein, eine Lizenz von der Kosovo-Telekommunikationsagentur zu beantragen. Auch das Funktionieren des Mobilfunkbetriebs der serbischen Telekom wäre dann im Kosovo in Frage gestellt.

Eine eigene Landes-Telefonvorwahl fordert seit längerem auch die kleinere Mitgliedsrepublik des Staatenbundes, Montenegro, dessen Regierung sich die Unabhängigkeit zum Ziel gesetzt hat. (APA)