Riesendämpfer für Salzburgs Olympia-Ambitionen: Die parteifreie Gemeinderätin Elisabeth Promegger hat binnen weniger Wochen genügend Unterschriften gesammelt, um eine Bürgerbefragung zu erzwingen.

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Salzburg - Kommenden Montag will das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) endgültig entscheiden, ob Innsbruck oder Salzburg ins Rennen um die Austragung der Winterspiele 2014 geschickt wird. Für Salzburg wäre dies nach 2006 - hier hat das ÖOC einst für Kärntens "senza confini" entschieden - und dem Debakel bei der Abstimmung im Internationalen Olympischen Komitee für die Spiele 2010 bereits die dritte Bewerbung in Serie.

Unterschriftenaktion

Bekommt Salzburg am Montag den nationalen Zuschlag, dann muss es in der Landeshauptstadt auf jeden Fall zu einer Bürgerbefragung über die Kandidatur kommen. Eine von der parteifreien Gemeinderätin Elisabeth Promegger gestartete Unterschriftenaktion hat deutlich mehr Unterzeichner gefunden als laut Stadtrecht für eine Bürgerbefragung notwendig: In einer ersten Zwischenbilanz am Freitag konnte die vergangenes Jahr aus dem ÖVP-Klub ausgeschlossene Promegger 2877 Unterschriften präsentieren.

Wermutstropfen für die Olympiakritiker

Entscheidet das ÖOC für Salzburg, werden die Unterschriften Bürgermeister Heinz Schaden (SP) übergeben. Dieser muss dann nach einer Überprüfung der Listen durch die Wahlbehörde die Befragung binnen zwei Monaten einleiten. Die Dreitausendermarke wird Promegger über das Wochenende leicht überspringen. Laut Salzburger Stadtrecht würden aber ohnehin 2000 Unterstützungserklärungen ausreichen. Wermutstropfen für die Olympiakritiker: Das Ergebnis der Befragung, ob sich Salzburg für die Spiele 2014 bewerben soll, ist für Gemeinderat und Stadtregierung nicht bindend.

Stimmung in der Bevölkerung

Unterstützt wird die Einzelkämpferin mittlerweile von einem kleinen Personenkomitee. "Auch Bürgerliste und Grüne haben sich bereits eingeklinkt", berichtet Promegger. Der Obmann des Bürgerlisten-Gemeinderatsklubs, Helmut Hüttinger, fühlt sich durch Promeggers Erfolg in seiner bisherigen Haltung nur bestätigt: Die Stimmung in der Bevölkerung sei klar gegen eine erneute Kandidatur.

Auch FP-Klubchefin Doris Tazl reiht sich in die Olympia-Gegner ein. Die FPÖ sei angesichts der budgetären Lage der Stadt ebenfalls "gegen das Prestigeobjekt von Bürgermeister Schaden", sagte Tazl im STANDARD-Gespräch.

Bessere Finanzierungszusagen

Und selbst die Stadt-ÖVP, bei der Bewerbung für 2010 noch für die Austragung von Winterspielen an der Salzach, beginnt vorsichtig zurückzurudern. Eine neuerliche Kandidatur komme nur infrage, wenn mit dem Bund "bessere Finanzierungszusagen" als für 2010 vereinbart werden können, meint VP-Vizebürgermeister Harald Preuner.

Nur die SPÖ bleibt pro Olympia: Winterspiele wären ein "gutes Projekt", das Salzburg viel brächte, sagte die Obfrau des Gemeinderatsklubs, Simone Vogel. Ob sich die SPÖ durch ein möglicherweise negatives Befragungsergebnis binden lasse, könne sie "derzeit noch nicht sagen". Laut Umfragen lokaler Medien dürfte sich derzeit die Mehrheit der Stadt-Salzburger jedenfalls gegen eine neuerliche Kandidatur für Winterspiele aussprechen. (neu, DER STANDARD Printausgabe 22/23.1.2005)