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Wilhelm Marhold, neuer Direktor der 18 städtischen Spitäler und Geriatriezentren, hat einen Haufen Arbeit vor sich: Die Finanzsituation ist prekär, Kosten müssen verringert, neue Strukturen gefunden werden. Wie er das machen will, erzählte er Andrea Waldbrunner.

Standard: Was müssen Sie als Erstes im Krankenanstaltenverbund (KAV) angehen?
Wilhelm Marhold: Es ist ganz wichtig, die Führungsstruktur des KAV schlank, schlagkräftig und in der Zuordnung der Verantwortlichkeiten klar zu positionieren. Wir hatten das in der Vergangenheit nicht.

STANDARD: Exakt dasselbe haben Ihre Vorgänger bei deren Amtsantritt 2002 auch erzählt.
Marhold: Ja, und ich werde es schaffen. Wir haben ein neues Organigramm, wo strategisches und operatives Geschäft klar getrennt sind.

STANDARD: Und was sind nun dringliche Vorhaben?
Marhold: Wir müssen über den Tellerrand einer Spitalsträgerschaft hinausschauen. Es heißt nicht, da sind wir - dort die Ordenshäuser. Da gibt es Dinge, die die sehr gut können, und umgekehrt wir. Ein Beispiel: In der Rudolfstiftung gibt es eine neurochirurgische Abteilung, die operieren dort rund um die Uhr. Das heißt volle Auslastung, trotzdem haben wir Wartezeiten auf Bandscheibenoperationen. Im Hartmann-Spital (Anm.: Franziskaner-Orden) hat man Auslastungsprobleme. Also haben wir eine Kooperationserklärung gemacht. Die Rudolfstiftung verpflichtet sich, die Diensteinteilung der Fachärzte für Neurochirurgie so zu gestalten, dass jedenfalls an Montagen ein erfahrener Operateur dienstfrei hat, der operiert dann in seiner Freizeit Patienten von unserer Warteliste der Allgemeinen Gebührenklasse im Hartmann-Spital. Das funktioniert seit April 2004 und das hat es vorher nicht gegeben. Weiters gibt es die Möglichkeit des regionalen Spitalsverbundes. Beispiel: Rudolfstiftung mit Herz-Jesu-Spital und Sankt Elisabeth - Stichwort gemeinsame Patientenorganisation. Und es gibt das Problem, dass wir nicht interdisziplinär belegen.

STANDARD: Sie wollen Abteilungen auflösen?
Marhold: Jedes Privatspital legt eine Gallenoperierte neben eine Gebärmutteroperierte und man lastet dadurch die Stationen gleichmäßig aus. Das machen wir jetzt nicht. Ich will mehr Kundenorientierung und ein anderes Belegsystem. Das ist keine politische Frage, das sagt der Krankenhausmanager.

STANDARD: Wie will der Manager die Finanzen des KAV in den Griff bekommen? Die Rücklagen von gut 300 Millionen Euro waren 2004 aufgebraucht.
Marhold: Wir brauchen rasch einen Überblick über die Controlling-Daten und machen den Jahresabschluss 2004 bis Mai 2005 und wir werden in dieser Zeit unsere Investitionsvorhaben festlegen. Dann sehen wir, wie das Unternehmen steht. Mehr zu sagen, wäre derzeit unseriös.

STANDARD: Sie wollen Ende 2005 erst verhandeln? Der jetzige Vertrag, wonach die Stadt Wien den KAV jährlich mit zwei Milliarden finanziert, läuft Ende des Jahres aus.
Marhold: Auf Basis Jahresabschluss 2004 wird im Laufe des Jahres 2005 über ein Abkommen ab 2006 verhandelt.

STANDARD: Gehen Sie den Weg der Spitalskonzentration weiter? Stichwort "Schwerpunktspitäler" und kleine schließen?
Marhold: Das AKH wird immer mehr in die Selbstständigkeit gleiten. Wir haben einen ziemlichen Immobilienschatz, der gehört marktwirtschaftlich bearbeitet.

STANDARD: Wird die Wiener Spitalslandschaft umstrukturiert?
Marhold: Ich bin der Krankenhausmanager und nicht der Politiker. Das ist eine Sache der Gesundheitspolitik solche Festlegungen zu treffen. Ich weiß aber, dass die Frau Stadträtin Brauner vorhat, in nächster Zeit ein Spitalskonzept zu erarbeiten. Es wird ein sehr sinnvolles sein, das für Berechenbarkeit und Sicherheit der Standorte sorgt.

STANDARD: Ihre Vorgänger haben begonnen, das Familiensilber des KAV zu verkaufen, um Einnahmen zu lukrieren. Wird weiter verkauft? Die Semmelweis-Klinik und das Spital Gersthof aufgelassen?
Marhold: Das wird im Rahmen des Spitalskonzepts festgelegt, das die Stadträtin präsentieren wird.

STANDARD: Was können Sie noch von ihren Vorhaben verraten?
Marhold: Die Schaffung von Wochenkliniken. Da wird ein Spitalsbetrieb geführt von Montag bis Freitag. Nehmen Sie zum Beispiel eine Augenabteilung und eine HNO-Abteilung. Was liegt näher als zu erkennen, dass am Wochenende die Auslastung niedriger ist. Also schließen wir die Abteilungen und führen sie als Wochenklinik. Am Wochenende führen wir eine gemeinsame Belegstation. Sie sparen enorm bei den Nachtdienstzulagen. Das gehört zum bereits angeführten Konzept interdisziplinärer Belegung.

STANDARD: Fürchten Sie einen neuen Skandal à la Lainz? Marhold: Ich fürchte mich vor gar nichts. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 22723.1.2005)