Digitale Signalverarbeitung ist eines der großen Wachstumsfelder für den Einsatz von Systems on Chip in der Unterhaltungselektronik, in der Telekommunikation, in der Automobilbranche. Die digitale Videobildverarbeitung gehört dabei zu den technisch anspruchsvollsten Disziplinen, weil sie hohe Rechnerleistungen bei geringem Stromverbrauch verlangt. Verschärfend kommt hinzu, dass es unterschiedlichste Kompressionsstandards gibt. Eine weit geöffnete Schere: Dem riesigem Entwicklungsaufwand mit Kosten von mehreren Millionen Euro stehen eine nur eingeschränkte Funktionalität und damit auch geringere Stückzahlen gegenüber, "ein Aufwand, der sich kaum mehr rechtfertigen lässt", so Christian Tiringer, Geschäftsführer des Wiener Unternehmens On Demand Microelectronics.

Was er auch deshalb sagen kann, weil er eine reizvolle Alternative anzubieten hat: Im Februar wird On Demand auf der Internationalen Messe "embedded world" in Nürnberg SVEN vorstellen, den "Scaleable Video Engine", der "weltweit erste Prozessor, der durch seine freie Programmierbarkeit und Skalierbarkeit hinsichtlich seiner Rechenleistung maßgeschneiderte Lösungen bieten kann für mobile Low-Power-Lösungen mit niedrigen Bildauflösungen ebenso wie für High-End-Bildverarbeitung auf 80-Zoll-Displays", erklärt Tiringer.

Der Trick ist: Der Signalprozessor kann durch einfaches Modifizieren der Software konfiguriert werden - ohne die Hardware angreifen zu müssen. Das spart Zeit und Geld und gibt den Halbleiterunternehmen erstmals die Möglichkeit, mit einem einzigen Prozessor voll programmierbare Systems on Chip für digitale Fernsehgeräte, Settop-Boxen und digitale Videorekorder zu erstellen. Tiringer: "Dieser Ansatz der nachträglichen Programmierbarkeit ist ein wesentlicher Schritt, um immer höher werdende Komplexitäten abbilden zu können und einen höheren Abstraktionslevel zu erreichen."

Basis für diese Technologie ist der von On Demand entwickelte Vector-Signal-Prozessor. Er lässt in Sachen Geschwindigkeit jeden Pentium-Prozessor hinter sich, verbraucht dabei aber nur einen Bruchteil an Strom. Das Timing ist günstig: Bis 2010 müssen die amerikanischen Broadcaster digitale Signale senden, ein riesiger Markt öffnet sich. Insofern stört es Tiringer auch weniger, dass "die europäische Industrie noch zögert, solange uns die Amerikaner die Tür einrennen." Drei große amerikanische Unternehmen stehen bereits auf der Kundenliste von On Demand. (hon/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. 1. 2005)