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Nachhaltige Entwicklung ist ein zutiefst gesellschaftspolitisches Thema. Daher ist eine öffentlich geführte Diskussion ein wichtiger Pfeiler, um die Debatte darüber lebendig, aktuell und auf breiter Basis weiterentwickeln zu können.

Eine funktionierende Öffentlichkeit, verstanden als Kommunikationsraum, in dem politische Themen von Akteuren des politischen Systems, der Zivilgesellschaft, aber auch von Privatpersonen diskutiert werden, gilt allgemein auch als Voraussetzung für die demokratische Verfasstheit eines politischen Gemeinwesens. Medien leisten einen grundlegenden Beitrag zur Schaffung, Bewahrung und Weiterentwicklung eines solchen Kommunikationsraums.

Es ist dabei aber festzustellen, dass das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung noch kaum im gesellschaftspolitischen Diskurs verankert ist. Und hier beginnt die Rolle der Medien. Denn was im Alltag an Wissen über nachhaltige Entwicklung existiert, wird in erster Linie von den Medien vermittelt und wohl nur selten vom Konsumenten selbst produziert.

Niklas Luhman, der Soziologe und Begründer der Systemtheorie geht dabei von folgender Hypothese aus: "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien".

Rahmenbedingungen der Medienlandschaft

Die gesellschaftliche Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit komplexen Themen und deren Zusammenhängen ist primär an die Medienberichterstattung gebunden. Nach K. Klenner, W. Schimmelpfennig, H. Schreiber (2002) ist das Mediensystem derzeit hauptsächlich durch folgende drei Rahmenbedingungen gekennzeichnet:

Kommerzialisierung: der Medienbereich steht unter einem enormen wirtschaftlichen Druck und muss aus existenziellen Gründen die Einschaltquoten und die Kundenbindung stetig im Auge behalten

Konzentration und Internationalisierung: Medienkonzerne agieren zunehmend weltweit und in verschiedensten Medienbereichen (multinational und multimedial)

Neues Nutzungsverhalten: der Trend geht vom klassischen Massenmedium zur individualisierten und interaktiven Kommunikation. Hinzu kommt, dass der technische Fortschritt die Grenzen zwischen den Massenmedien und der individualisierten Kommunikation nahezu auflösen.

Innerhalb dieser Gegebenheiten handeln die Akteure der Medienlandschaft und interagieren mit jenen Akteuren, die an nachhaltiger Entwicklung interessiert sind und daran arbeiten. Für dieses Monatsthema wurden Interviews mit verschiedenen solcher Akteure geführt, um einen Einblick in die Dynamik ihrer Zusammenarbeit zu erhalten. Letztendlich geht es in diesem Monatsthema darum herauszufinden, wie der Begriff der nachhaltigen Entwicklung in seiner ganzheitlichen Dimension in der Medienlandschaft Fuß fassen und seinen festen Platz im öffentlichen Kommunikationsraum einnehmen kann.

Zusammenfassend kann dabei festgestellt werden, dass alle Interviewpartner der Ansicht sind, dass der Begriff der nachhaltigen Entwicklung immer öfter und vielleicht sogar viel zu oft verwendet und daher sehr stark verwässert wird. In vielen Fällen wird der Begriff einfach sehr unterschiedlich interpretiert oder nur sehr eindimensional verwendet Nachhaltige Entwicklung müsse exemplarisch an konkreten Beispielen festgemacht und medial präsentiert werden.

Einig sind sich die Interviewpartner auch dabei, dass es kein "bestes Medium" für die Verbreitung von nachhaltiger Entwicklung gibt, denn mit unterschiedlichen Medien werden unterschiedliche Personengruppen erreicht. Ideal sei daher ein Medien-Mix. Bei der Frage wie es denn nun konkret zu schaffen wäre, dieses Thema in den Medien zu pushen und den öffentlichen Diskurs darüber zu verbessern, wurde von einigen die Meinung vertreten, dass es nur möglich sei, einen Themenkomplex fundiert aufzubereiten und dann entsprechend anzubieten. Die Auswahl der Themen wird dann von den Medien und deren Rahmenbedingungen getroffen. Relevant sei daher vor allem gute Kontaktpflege mit am Thema interessierten JournalistInnen und RedakteurInnen und eine Darstellung des Themas, die die (positiven) Emotionen der Menschen anspricht.