Immer mehr von Gerüchten und Dementis begleitet ist die Fahndung nach den Entführern des schwedischen Millionärs und Firmenerben Fabian Bengtsson. Die Ermittler sind um größte Geheimhaltung bemüht, Göteborgs Polizeichef Klas Friberg erklärte dazu, es gehe eigentlich nur noch darum, das Leben des 32-Jährigen zu retten. Deshalb die am Wochenende verhängte Informationssperre.

Dennoch veröffentlichen schwedische Medien laufend polizeiinterne Informationen und Bengtssons Eltern sind, wie berichtet, auf eigene Faust mit einem Appell an die Entführer im schwedischen Fernsehen aufgetreten. Nicht einmal dazu, ob dieser Appell mit den Ermittlern abgesprochen war, wollte sich die Polizei äußern.

Verschwunden

Fabian Bengtsson, dessen zukünftiges Erbe heute mit einem Wert von 222 Millionen Euro veranschlagt wird, war am Montag voriger Woche auf dem Weg zu seiner Arbeit in Göteborg verschwunden. Er und sein Vater Bengt leiten den der Familie gehörenden Elektrohandelskonzern "Siba", der mit dem Media Markt vergleichbar ist.

Vermutet wird, dass ihm mehrere Entführer in einer Tiefgarage, wo er seinen BMW M3 geparkt hatte, auflauerten. Die Täter sollen ihn in seinem Wagen in die Innenstadt gebracht haben. Dort wurde später das Fahrzeug gefunden; nicht abgeschlossen und mit den Schlüsseln im Zündschloss.

Spur ins Ausland?

Eine Befürchtung der Polizei ist, dass sich die Entführer mit einer Fähre ins Ausland abgesetzt haben, Richtung Dänemark, Polen oder Deutschland. Interpol ist eingeschaltet, und in Göteborg soll selbst das Drogendezernat andere Arbeiten zur Seite gelegt haben, um zur Klärung des Falles beizutragen.

Die Entführer leisteten sich einen gravierende Fehler, als einer von ihnen Geld von Bengtssons Konto an einem Bankautomaten abhob und dabei gefilmt wurde. Die Polizei arbeitet an der Identifizierung des Mannes.

Die Familie Bengtsson war stets dafür bekannt, sich vom öffentlichen Interesse abzuschirmen. Der Juniorchef lebte deshalb im Schutz einer gewissen Anonymität. Dies änderte sich schlagartig, als er Gefallen daran fand, in der firmeneigenen TV-Reklame mit dem Slogan "Bei uns bekommst du Rat" aufzutreten. (André Anwar aus Göteborg, DER STANDARD - Printausgabe, 25.01.2005)