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In der heurigen Wintersaison sind bereits sieben Lawinentote zu beklagen

Foto: AP/Tremper
Innsbruck/Salzburg - Strahlender Sonnenschein, noch trübt kein Schwung die glitzernde Abfahrt - beim Anblick unberührter Schneeflächen fühlen sich manche Wintersportler wie Neil Armstrong vor seiner ersten Fußspur im Mondstaub. Die "Gier nach Pulverschnee", wie es Karl Gabl, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, ausdrückt, treibt Ski- und Snowboarder häufig in ungesicherte Hänge. Ein Verbot, in freies Gelände einzufahren, gibt es in Österreich zwar nicht. Wer es tut, riskiert aber Kopf und Kragen oder zumindest hohe Kosten im Fall einer Rettungsaktion.

Der 24-jährige niederländische Student, der Sonntagnachmittag auf der Schmittenhöhe in Zell am See (Salzburg) mit seinem Snowboard unter eine Lawine geraten war und überlebt hat, muss seine Bergung mit dem Rettungshubschrauber "Alpin Heli 6" selbst zahlen. "Eine Einsatzpauschale von 218 Euro, pro Flugminute 69 Euro sowie zwischen 50 und 140 Euro für Medikamente", rechnete Manfred Pfnier vom Öamtc am Montag auf STANDARD-Anfrage vor. "Die Kosten der Bergrettung sind da noch nicht inkludiert", so Pfnier. Der junge Snowboarder hatte eine Lawinenwarntafel missachtet und das 120 Meter breite Schneebrett ausgelöst.

Bereits sieben Lawinentote

In der heurigen Wintersaison sind in Österreich bereits sieben Lawinentote zu beklagen, in der gesamten Vorsaison waren es neun. Beim schweren Lawinenunglück in St. Anton/Arlberg von Samstag sind nach jüngsten Angaben drei kanadische Staatsbürger gestorben, zwei davon konnten nur mehr tot geborgen werden, eine 54-jährige Frau erlag Sonntagabend ihren schweren Verletzungen. Ein 31-jähriger US-Urlauber wurde Montag noch vermisst, es bestand kaum mehr Hoffnung, ihn lebend zu finden.

Das Quartett war nach seinem Skilehrer aus Pians (Bezirk Landeck) in einen steilen, verspurten Nordosthang eingefahren. Während der Skilehrer bereits auf die Gruppe wartete, löste sich das 300 Meter breite Schneebrett.

Ob der Skilehrer die Situation falsch eingeschätzt hat, ist noch unklar. "Das Beurteilen im winterlichen Gelände kann immer nur eine Prognose sein", sagt Experte Gabl.

Kritischer Punkt

Wenn der kritische Punkt auch nur von einem Skifahrer berührt werde, genüge das, um Schneemassen in Bewegung zu setzen. Er selbst wäre bei den Bedingungen nicht in den Hang eingefahren, meint Gabl, der nach dem Unglück auch beim Bergeeinsatz dabei war. Der Innsbrucker Rechtsanwalt Andreas Ermacora, der den Skilehrer vertritt, geht davon aus, dass der Lawinenabgang nicht vorhersehbar gewesen sei.

Im Gegensatz zu Italien, wo Lawinen-Verschuldensfragen häufig an einen bedingtem Vorsatz anknüpfen, wird in Österreich bei der gerichtlichen Klärung von Lawinenunglücken meist von Fahrlässigkeitsdelikten ausgegangen. Zivilrechtliche Schmerzensgeld- und Entschädigungsforderungen können in Millionenhöhe gehen. (APA, simo; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2005)