New York - Im Diplomaten-Jargon ist sie "technisch", für Washington aber unzureichend: Die Wahlhilfe der UNO im Irak ist ein weiterer Störfaktor in den Beziehungen zwischen der Weltorganisation und dem Weißen Haus. "Wir arbeiten ohne Fanfaren", verteidigt Generalsekretär Kofi Annan den UN-Einsatz vor den Wahlen - "leise, aber reell". Tatsächlich hat der Chef der Vereinten Nationen unter Hinweis auf das Sicherheitsrisiko lediglich 35 Experten in den Irak entsandt.

Das Team hat seinen Angaben zufolge mehr als 6.000 Iraker zu Organisatoren ausgebildet und die Weichen für die Stimmabgabe am 30. Jänner gestellt. Außerdem habe es sich bei der Schulung von 130.000 örtlichen Helfern für den Wahltag verdient gemacht. Über diese rein technische Vorbereitung hinaus aber lehnt Annan jede Verantwortung ab. Über Termin, Ablauf und weitere Details müsse die unabhängige Wahlkommission des Landes entscheiden.

Annans politischer Berater, der Brite Kieran Prendergast, zog kürzlich einen bildlichen Vergleich heran, um den häufig als "mager" bemängelten UN-Einsatz zu rechtfertigen. Die Wahlhilfe sei "wie Hefe", von der nur wenige Krümel ausreichen, um einen Teig aufgehen zu lassen, beschied der Unter-Generalsekretär den Zweiflern. Wer das Engagement der Vereinten Nationen im Irak an der Größe des Teams messe, mache es sich zu leicht.

Von Annan erfordert das Mandat eine Gratwanderung. Er hat durch den Skandal um das UN-Programm "Öl für Lebensmittel", die Sexvergehen seiner Blauhelme in Kongo und Verfahren im eigenen Haus schwere Blessuren erlitten. Er braucht Washington, um die UN-Reform durchzuboxen, und kann sich kaum leisten, US-Präsident George W. Bush nach seiner Kritik am "völkerrechtswidrigen" Irak-Krieg erneut zu reizen.

Dass Bush sich die UN-Hilfe massiver gewünscht hätte, um die Chancen für ein Gelingen der Wahl zu verbessern, steht außer Frage. US-Medien spekulierten, dass sich der Präsident bei der Erfüllung seiner Irak-Pläne einmal mehr von der UNO im Stich gelassen sehe. Dass ihm die Weltorganisation bei einem Scheitern der Wahl als Sündenbock gelegen käme, ist zu vermuten. Dem hat Annan nun vorgebaut.

Derweil wächst auch im UN-Hauptquartier die Sorge um die Wahlbeteiligung. Der angekündigte Boykott der Sunnis könnte ein Drittel der Stimmen kosten. Die Angst vor Terroranschlägen dürfte auch andere Iraker zurückhalten. Ein nicht repräsentatives Wahlergebnis aber droht, weitere Gewalt und schlimmstenfalls einen Bürgerkrieg zu schüren.

"Ich ermutige alle Iraker, ihr demokratisches Stimmrecht zu nutzen", appelliert Annan deshalb immer wieder. Er wisse, dass die Bedingungen "alles andere als ideal" sind. Aber "wenn die Wahl den politischen Übergang des Landes fördern soll, muss sie so umfassend wie möglich sein", mahnt der UN-Chef.

Bei erfolgreichem Ausgang der Wahl kann sich die Nationalversammlung bald an die Ausarbeitung einer Verfassung machen. Über ihren Entwurf wird nach dem Zeitplan der Vereinten Nationen am 15. Oktober abgestimmt. Wird die Verfassung mehrheitlich angenommen, findet bis zum 15. Dezember der nächste landesweite Urnengang im Irak statt, aus dem die erste verfassungsrechtlich gewählte Regierung des Irak hervorgehen soll. (dpa)