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"Das Fieber hat alle erfasst", versichert Angelo Fiori, "Rentner, Studenten, Arbeiter und Anwälte." Zigaretten kaufen in seiner Trafik in Rom nur die wenigsten. Sie studieren die für Laien unverständlichen Zahlentabellen und greifen dann nach dem Lottoschein.

Das Fieber trägt den Namen 53er-Syndrom. Es hat ganz Italien erfasst - mit teilweise tragischen Folgen. Seit Wochen jagt die Nation einem Phantom nach: der Nummer 53 der Ziehung in Venedig. Die Zahl blieb in 178 aufeinander folgenden Ziehungen aus und trieb damit viele Italiener zur Verzweiflung.

Vier Milliarden weg

"Spieler, die pro Woche fünf Euro gesetzt hatten, blätterten plötzlich 500 auf den Tisch", erzählt Fiore, "ich kenne Rentner, die ihre ganzen Ersparnisse aufgebraucht haben." Fast vier Milliarden Euro haben Italiener bereits auf die 53 verwettet.

Die Zahl der Selbstmorde steigt deutlich. Die jüngste Tragödie spielte sich vor drei Tagen in Florenz ab. Ein Versicherungsvertreter, der sich im Lottofieber aussichtslos verschuldet hatte, erschoss Frau und Sohn und anschließend sich selbst.

Höchstgrenzen gefordert

Täglich berichten Italiens Zeitungen über Spieler, die ihr gesamtes Vermögen verwettet haben. Politiker aller Parteien fordern die Einführung neuer Höchstgrenzen beim Zahlenlotto, das aus sechs Zahlenreihen besteht. Hohe Summen bei niedrigem Einsatz sind nur zu gewinnen, wenn man auf mehrere Zahlen setzt. "Wer einen Euro auf die 53 setzt, gewinnt 11,20 Euro", erläutert Fiore. "Wer auf mehrere Zahlen setzt, kann ein Vielfaches erreichen."

Deshalb sind die Einsätze teilweise unverantwortlich hoch. "Bei mir haben Leute schon 5000 Euro auf die 53 gesetzt", sagt Fiore. "Bei zwei Ziehungen pro Woche führt das schnell in den Ruin."

Davon weiß man in Bozen ein Lied zu singen. Dort werden in Italiens einzigem Entwöhnungszentrum für Spieler die Wartezeiten täglich länger. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD Printausgabe, 26.01.2005)