Berlin - Im Kampf gegen Antisemitismus hat der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, vor einer pauschalen Verurteilung von Moslems gewarnt. Es dürfe keine "neuen Kreuzzüge" geben, sagte Singer am Mittwoch in einem dpa-Gespräch in Berlin. Zwar gebe es eine antisemitische Minderheit unter den weltweit mehr als einer Milliarde Moslems. Für Deutschland sehe er Gefahren aber vor allem in den Wahlerfolgen der NPD in Sachsen oder Äußerungen wie der als antisemitisch kritisierten Rede des ehemaligen CDU-Politikers Martin Hohmann.

"Weder die NPD noch Hohmann sind Muslime", sagte Singer. Hinter der allgemeinen Verdächtigung der Muslime sehe er den Versuch, die Einwanderer in Europa zu "Buhmännern" zu erklären. Der in den USA geborene Sohn von Holocaust-Überlebenden nimmt an diesem Donnerstag an den Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz teil. Am Dienstag hatte er zusammen dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Auschwitz-Überlebenden in Berlin der Befreiung des Lagers gedacht.

Singer sprach sich dafür aus, nicht genutzte Mittel des Zukunftsfonds für die Zwangsarbeiter einzusetzen, um die Jugend Europas über den Holocaust aufzuklären. Er sehe vor allem in den Ländern Osteuropas großen Nachholbedarf. "Als Land der Täter sollte die Bundesrepublik mit seiner besonderen Verantwortung die Federführung bei diesem Aufklärungsprogramm übernehmen." Der 27. Jänner könnte zum europaweiten Tag gegen Intoleranz und Antisemitismus erklärt werden.

Zuvor hatte Singer in der "Bild"-Zeitung und der "Financial Times", die Rolle Deutschlands gewürdigt. "Deutschland tut mehr als andere Länder im Kampf gegen Antisemitismus - aus gutem Grund." Deutschland habe bereits die besten Gesetze Europas, die zum Beispiel Nazi-Symbole, Antisemitismus und das Leugnen des Holocaust verbieten - "auch weil Deutschland eine Verantwortung hat, die andere Länder nicht haben." Er verlangte aber weitere Anstrengungen, um die Feindlichkeit gegenüber Juden einzudämmen. (APA/dpa)