Herr Gunnar P. hat seine Sicht der Welt unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterfrage dargelegt. Erfolgreich - für ihn. Denn damit ist es dem schwadronierenden Herrn und bekennenden "Revoluzzer" gelungen, den Lichtkegel der öffentlichen Aufmerksamkeit auf sich und seine Thesen zu lenken. Und der Handballmanager katapultierte sich von den hinteren Sportseiten ins Zentrum der Innenpolitik. Frauen, genauer gesagt "die Weiber", seien demnach quasi von Natur aus prädestiniert, "in der Kuchl" zu stehen, zur Not könne "mann" es ja noch mit "dressieren" probieren.

Nun, jeder hat das Recht, sich selbst der Lächerlichkeit preiszugeben und zu disqualifizieren. Das ist Herrn P. auch wirklich sehr gut gelungen. Die Lufthoheit über vielen Stammtischen im Land dürfte ihm zudem auch gewiss sein. Mehr Aufarbeitungsenergie sollte man in seine kruden Auslassungen aber dann schon nicht mehr stecken. Diesen Ruhm soll Herr P. für sich genießen dürfen. Das ist ganz allein sein Spiel.

War da noch was? Ach ja, Gunnar P. könnte Pauer, Pichler oder Posch heißen. Dieser hier heißt aber Prokop und ist verheiratet mit Liese. Das ändert nichts an der Inferiorität seiner Aussagen. Auch nicht, dass sie seit Kurzem Innenministerin ist. Von ihr jetzt Distanzierungen von seinen Äußerungen zu verlangen ist genauso antifeministisch wie sein Blabla. Frauen hatten lang genug nur "die Frau von" zu sein, mehr als eine abgeleitete Identität war viel zu lang nicht drin. Das sollte eigentlich vorbei sein. Ist es aber offenbar nicht, wie sich am Mann der Innenministerin zeigt. Die Prokop'sche Kuchl ist offenkundig verwaist. Vielleicht ist genau das das Problem von Herrn Prokop. Aber das sollte man nicht seine Frau ausbaden, sondern ihn selbst lösen lassen. Vielleicht beim Abwasch in der Kuchl. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe 27.01.2005)