Graz/Wien - Alfred Gutschelhofer, der Rektor der Grazer Karl-Franzens-Universität (21.000 Studierende), fordert eine völlige Umkrempelung des Übergangs von Schule und Studium. Bei der Schulausbildung schlägt er vor, die Matura vorzuziehen - beim Studium den eigentlichen Beginn nach hinten zu verschieben. Es sei notwendig, die einzelnen Bildungsschritte zu verkürzen.

Vor das eigentliche Universitätsstudium will Gutschelhofer eine Art Wartesaal gesetzt sehen, in dem Studierwillige ihre Eignung prüfen können sollen. Nach der Matura könnte es gemeinsam mit den Unis eine Vorbereitungsphase von ein bis zwei Semestern geben, wo Grundlagenwissen vermittelt und die Orientierung der Studienanfänger verbessert werden könnte.

Modellhaft wird ein solches "Basismodul" in Graz entwickelt: "Junge Menschen erhalten die Möglichkeit, ihre Entscheidung nochmals zu überprüfen und verlieren keine Zeit", so der Rektor. Das fakultätsspezifische Basismodul soll bei einem Studienwechsel angerechnet werden und mit einem zertifizierten Abschluss "flexiblere Umstiegsmöglichkeiten" bieten.

Am freien Bildungszugang will Gutschelhofer grundsätzlich festhalten: "Ich halte nichts davon, Studierende aus den Unis hinauszuprüfen". Stattdessen müsse man überlegen, welche Unis den Zugang beschränken sollten und gleichzeitig den Qualitätsanspruch für alle Unis diskutieren. Gutschelhofer: "Immerhin haben wir 200.000 junge Leute in der Pipeline-Schule, der Elitegedanke funktioniert da nicht." Überhaupt wisse er nicht, wo das Geld für eine Elite-Uni herkommen solle: "Niemand konnte mir bisher erklären, was das Schlagwort ,frisches Geld' bedeuten soll."

Lücken im Schuletat

Ganz ähnlich argumentierte die Opposition bei der Aktuellen Stunde am Mittwoch im Parlament: Zunächst müsse man sich um die eklatanten Finanzierungslücken im Schulbereich kümmern. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) konterte, Bildung sei mehr als einfach nur Geld, die Lage in Österreichs Schulen besser als in anderen Ländern, etwa bei der Computerausstattung. Zu der von der Opposition geforderten Ganztagsbetreuung wies sie darauf hin, dass heuer von 10.000 möglichen neuen Plätzen nur 8100 abgerufen worden seien. (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 27.01.2005)