Wien - Mit dem Nachfolger des langjährigen Wifo-Chefs Helmut Kramer wird einer der wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Jobs des Landes neu besetzt. Kramer startet wie berichtet am 1. März als neuer Rektor an der Donauuniversität Krems.

Am Mittwoch fiel dazu im Wifo nach einem mehrstündigen und sogar notariell überwachten Hearing mit fünf Kandidaten die Vorentscheidung. Erst nach der formellen Absegnung des Jury-Vorschlages durch den Wifo-Vorstand am Freitag soll der Name des neuen Wifo-Chefs veröffentlicht werden.

Im Vorfeld des Hearings galten der derzeitige Wifo-Vize-Chef und Industrieexperte Karl Aiginger sowie der frühere IHS-Mann Andreas Wörgötter, der derzeit bei der OECD in Paris tätig ist, als Favoriten. Für Aiginger hatte sich zuletzt auch Kramer stark gemacht, der der Hearing-Jury wie Wifo-Betriebsrat und Konjunkturexperte Markus Marterbauer beratend, aber nicht stimmberechtigt, zur Seite steht.

Außenseiter

Von ursprünglich 19 Bewerbern um den prestigeträchtigen Chefposten im Wifo waren neben Aiginger und Wörgötter noch drei andere Kandidaten zum Hearing geladen, allerdings dem Vernehmen nach trotz bester fachlicher Qualifikationen nur mit Außenseiterchancen: Die beiden Auslandsösterreicher Wilhelm Kohler, der an der Universität Tübingen internationale Wirtschaftsbeziehungen lehrt und Klaus Neusser, derzeit Inhaber eines Lehrstuhles für Ökonometrie an der Universität Bern sowie der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung in der Nationalbank in Wien, Peter Mooslechner.

Groß-Jury entscheidet

Neben Spitzenvertretern der vier wichtigsten Träger des Wifo - Finanzministerium, Notenbank, Wirtschafts-und Arbeiterkammer - waren bei dem Hearing auch vier Professoren, zwei aus Wien, je einer aus der Schweiz und Deutschland, als Jury-Mitglieder nominiert.

Präsident des Wifo ist Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der sich "keinerlei Präferenz" im Vorfeld der Entscheidung entlocken ließ. Leitl pocht auf den Erhalt der Unabhängigkeit des Institutes und machte sich für eine "konsensuale Entscheidung" stark. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.01.2005)