Mit Engagement zur Zielscheibe geraten

Hexenjagd


Wien/Klagenfurt - Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) betonte im Zusammenhang mit den Drohungen gegen die burgenländische Superintendentin Gertraud Knoll, dass es sich um keine Initiative von FPÖ-Mitgliedern handle. Sie sprach sich "für eine strikte Trennung von Kirche und Politik" aus. Gleichzeitig betonte sie aber, dass es ein Recht der Kirchenmitglieder sei, Diskussionen darüber zu führen, ob politische Aktivitäten im Sinne der Kirche seien, so Riess-Passer am Dienstag nach dem Ministerrat. Ebenfalls nach dem Ministerrat sagte Sozialministerin Elisabeth Sickl (F), sie sei "mit ihrer humanistischen Weltauffassung" immer bemüht um Ausgleich und Dialog. Deshalb glaubt sie, dass auch im Fall Knoll ein Gespräch "die richtige Linie ist". "Weg von sprachlicher zu tätlicher Gewalt ist kurz" Die Wiener Theologiestudenten äußerten am Dienstag in einem Offenen Brief an die Bundesregierung ihre Besorgnis darüber, "dass Gewalt in der politischen Sprache immer mehr Platz eingeräumt wird". Die Fakultätsvertreter der Katholisch-Theologischen Fakultät sehen in der Kampagne gegen die burgenländische Superintendentin Gertraud Knoll den momentanen Höhepunkt dieser Gewalt. Sie warnen: "Der Weg von sprachlicher Gewalt zu tätlicher Gewalt ist kurz!" Die Regierungsmitglieder und speziell Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als Chef einer christdemokratischen Partei sollten zu den Vorfällen "eindeutig Stellung beziehen", fordert die Fakultätsvertretung laut Kathpress. Recht des Stärkeren Der Umgang mit Knoll zeige, dass die Haltung gegenüber politisch anders Denkenden immer respektloser werde. "Es scheint sich das Recht des Stärkeren gegen die Schwachen und Ausgegrenzten durchzusetzen, um die es in der Botschaft Jesu geht", heißt es in dem Offenen Brief. "Wir vermissen von beiden Regierungsparteien das Ernstnehmen der Ängste eines großen Teiles der Bevölkerung, den Dialog mit Kritikern der Regierung und das Eingehen auf deren begründete Sorgen." Der Wiener Bischofsvikar Anton Berger rief am Montag Abend in einer Diskussion in der Radiosendung "Praxis" die Christen zu mehr politischem Engagement auf. Caritas-Präsident Franz Küberl definierte als politische Aufgabe der Caritas "so viel Kooperation wie möglich" zu suchen, zugleich aber "so viel Kritik wie nötig" zu üben. Der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker beklagte, dass kaum über die Inhalte der Knoll-Rede bei der Demonstration am 19. Februar geredet werde, sondern nur über ihre Teilnahme. Der Präsident der evangelischen Synode, Peter Krömer, räumte ein, dass die Demonstration mit SPÖ und Grünen als Mitveranstalter keine unabhängige Veranstaltung gewesen sei. Freiheitliche Politiker verstärkten ihre Angriffe gegen die burgenländischen Superintendentin Gertraud Knoll: "Ideologisch ist Getraud Knoll voll zu den Linksaußen zu rechnen und daher als Superintendentin fehl am Platz", sagte der burgenländische Landtagsabgeordnete Eduard Nicka in dem am Montag erscheinenden Magazin "Format". Mit Kommunisten und gewalttätigen Extremisten auf Demos Auch der Sprecher der burgenländischen "Unabhängigen Plattform Evangelischer Christen", das FPÖ-Mitglied Klaus Fischl, will weiter Unterschriften gegen Knoll sammeln: "Unsere evangelischen Gemeinden werden von Getraud Knoll vernachlässigt. Statt dessen geht sie mit Kommunisten und gewalttätigen Extremisten auf Demos." Wie "Format" weiter berichtet, haben sich bereits in Oberösterreich und in der Steiermark ähnliche Komitees gebildet, die vom FPÖ-Nationalratsabgeordneten Leopold Schöggl koordiniert werden. "Wir Evangelischen bestehen nicht nur aus der Frau Knoll und verlangen, dass die Würdenträger der Kirche eine Äquidistanz zu allen politischen Lagern einhalten", sagte Schöggl. (APA/red)