Teheran - Eine wegen Mordes an einem Polizisten zunächst zum Tode verurteilte Iranerin ist acht Jahre nach der Tat freigelassen worden. Die Freilassung wurde möglich, nachdem der Staat das "Blutgeld" an die Familie des Opfers gezahlt hatte. Nach Berichten iranischer Zeitungen vom Donnerstag hatte Afsaneh Norusi 1997 einen Polizisten mit mehreren Messerstichen getötet. Nach ihren Angaben hatte der Mann versucht, sie in seinem Büro zu vergewaltigen.

2003 wurde Norusi wegen der Tat zum Tode verurteilt. Ein Jahr später hob der Oberste Gerichtshof das Urteil wieder auf, nachdem Norusis Tochter, Frauenrechtlerinnen und mehrere weibliche Abgeordnete sich für sie eingesetzt hatten und der Chef der iranischen Justiz "Zweifel" an dem Urteil angemeldet hatte.

Selbstverteidigung

Norusis Verteidiger hatten argumentiert, die Frau habe lediglich ihre vom Islam vorgeschriebene Pflicht getan, indem sie ihre Ehre verteidigt habe. Das Oberste Gericht kam schließlich zu dem Schluss, die Angeklagte habe tatsächlich aus Selbstverteidigung getötet. Für ihre Freilassung wurde ein "Blutgeld" in Höhe von 310 Millionen Rial (27.000 Euro) festgelegt, das zur Entschädigung an die Familie des Opfers gezahlt werden sollte. Da Norusi selbst das Geld nicht auftreiben konnte, zahlte schließlich der iranische Staat das Geld an die Hinterbliebenen des Polizisten, wie die Zeitungen berichteten. (APA)