Die Steirischen Realschulen wollen mit einem zusätzlichen Schuljahr, Wirtschaftsnähe und Fokus auf Persönlichkeitsbildung in Österreich Schule machen. Die auf Bundesebene umstrittene steirische Schulform erfreut sich regen Zulaufs: 2.500 Schüler genießen die berufspraktisch ausgerichtete Ausbildung an 19 Standorten, die den jeweiligen Hauptschulen angegliedert sind. Rund ein Viertel hält bis zum zehnten Schuljahr durch. Nun will man die Kooperation mit der Wirtschaft noch vertiefen.

Mittlere Reife

Die steirische Realschule - in ihrer Form einzigartig in Österreich - bietet Zehn bis 16-Jährigen über die verpflichtende neunte Schulstufe hinaus eine berufspraktische Vertiefung in ihrem Fachgebiet. Nach dem zehnten Schuljahr wird mit der mittleren Reife abgeschlossen. In der sechsjährigen Schulform will man durch Team-Teaching und zusätzlichen Lehrplaninhalten wie Projektmanagement, Berufspraktika und verpflichtender zweiter Fremdsprache ab dem dritten Jahr soziale Kompetenz und lebensnahe Ausbildung ermöglichen.

Selbstbestimmte Jugendliche

Die Realschule kann bis zur achten, neunten oder zehnten Schulstufe besucht werden: "100 von insgesamt 400 Absolventen aus diesen 19 steirischen Schulen nehmen derzeit das dort angebotene zehnte Schuljahr in Anspruch", so Direktor Franz Hartinger der Haupt- und Realschule Leibnitz. Durch diese Schule werden "selbstbestimmtere Jugendliche" in die Wirtschaft entlassen, erklärte Bildungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V) Donnerstagabend bei der Präsentation und Podiumsdiskussion der Steirischen Realschulen in der Wirtschaftskammer Steiermark. Gleichzeitig wollte sie aber die Qualität der in Konkurrenz dazu stehenden Hauptschulen nicht in Abrede stellen.

Halböffentlicher Status

Die Realschule ist eine "Sonderform der Hauptschule", räumte Hartinger, Direktor der Haupt- und Realschule in Leibnitz ein. Aber der Ansturm sei groß: "80 Schüler pro Jahrgang möchten die eingerichtete Realschulklasse besuchen, während nur 30 pro Klasse aufgenommen werden können". Die nun seit 14 Jahren bestehende Realschule wurde vom Bildungsministerium lange Jahre nicht öffentlichrechtlich anerkannt. Der Kompromiss endete vor zehn Jahren in eine Rechtskonstruktion, die ihr nur einen halböffentlichen Status als so genannte Statutarschule verleiht. Lehrer- und Elterninitiativen sehen sich jedoch mit der nun erfolgreich etablierten Ausbildungsschiene zwischen Abitur und Pflichtschulabschluss zufrieden.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit möchte man noch stärker vertiefen, kündigte auch Peter Hochegger, Leiter des steirischen Wirtschaftsförderungsinstituts, an. Er zeigte sich von der praxisnahen, auf das zehnte Schuljahr ausgeweiteten Ausbildung überzeugt. (APA)