Schiedsrichter sind Personenschutz gewöhnt. Der Weg in die Kabine kann nämlich ganz schön grindig sein. So ein Fußballstadion ist kein Hofratswitwenkränzchen, da geht es weit derber zu, mitunter fliegen volle Bierbecher.

Der Pöbel/Fan heißt den Schiri "schwarze Sau", da kann er noch so bunt gekleidet sein, sie tragen längst Gelb, Blau, Rosarot. Da sie trotzdem Menschen sind, machen sie Fehler, die sind im Fußball besonders schlimm. Weil überall Fernsehkameras aufgebaut sind. Die überführen den so genannten Unparteiischen gnadenlos. Robert Hoyzer suchte am Freitag um Personenschutz an. Außerhalb des Stadions. Weil er parteiisch war und deshalb Angst hat.

Der 25-jährige Berliner hat sich mit der kroatischen Wettmafia eingelassen (wer und was das auch immer sein mag, es gibt sie jedenfalls). Das war doof und die 50.000 Euro, die er eingestreift haben soll, kaum wert. Hoyzer hat zumindest fünf Partien manipuliert, zum Beispiel das Cupspiel zwischen Paderborn und dem HSV am 21. August 2004. Es endete 4:2, der HSV hatte 2:0 geführt, dann schloss Hoyzer einen Hamburger spaßhalber aus und pfiff zwei lustige Elfer für Paderborn. Nicht einmal in der Zeitlupe war irgendeine Art von Vergehen ersichtlich. Hoyzer war da äußerst kreativ.

Die ganze Sache wird ein immenses Ausmaß haben

Vor einer Woche wurde der Fall öffentlich. Vier Kollegen hatten sich beim deutschen Fußballbund (DFB) gemeldet. Hoyzer dementierte reflexartig, sprach von einer öffentlichen Hinrichtung. Am Donnerstag hat er dann in der Kanzlei seines Anwalts Holthoff-Pförtner heulend gestanden. "Die erhobenen Anschuldigungen gegen mich sind im Kern zutreffend. Ich bedauere zutiefst und entschuldige mich. Es sind weitere Personen aus der Fußballbranche verstrickt. Die ganze Sache wird ein immenses Ausmaß haben." Hoyzer stellt sich als Kronzeuge zur Verfügung.

Er hatte eine große Karriere vor sich, passte ins neue Berufsbild. Schiedsrichter werden zu Werbeträgern, der Italiener Collina schaffte es bis zum Superstar. Hoyzer sieht gut aus, allein seiner Höhe wegen (1,98 m) strahlt er Autorität aus. Blond und gescheit ist er auch, nach einer Lehre als Zimmermann inskribierte er Bauingenieurwesen an der Fachhochschule. Vom DFB wurde er für die Bundesliga aufgebaut, seit 2003 pfiff er regelmäßig in der zweiten Liga.

Pro Partie verdient man dort 1500 Euro. Gefragt, weshalb er Schiedsrichter geworden ist, sagte Hoyzer: "Weil mein Vater einer war und mich dazu motivierte." Er selbst kickte als Jugendlicher beim Spandauer SC. Ohne Perspektiven. "Als Schiedsrichter bekomme ich die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln. Ich habe viele Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen" erzählte er vor Monaten im Fernsehen. Zum Beispiel mit einer "kroatischen Mafia". Gestand er jetzt.(DER STANDARD Printausgabe 29. Jänner 2005, Christian Hackl)