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Gerlinde Blauensteiner, Bundessprecher Volker Plass und Bundesbudgetsprecher Werner Kogler (v.l.) bei der Kandidaten-Präsentation der Grünen Wirtschaft am 31. Jänner.

Foto: APA/Artinger
Wien - Mehr Vielfalt und Farbe in die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bringen wollen die Vertreter der Grünen Wirtschaft, die bei den WK-Wahlen vom 12. bis 15. März erstmals österreichweit antreten. Dabei geht es auf Grund des komplizierten Wahlrechts vor allem darum, erstmals in den Wirtschaftskammer-Gremien vertreten zu sein. "Das Wahlsystem ist nicht nur minderheitenfeindlich, sondern minderheitenvernichtend", stellte der Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, Werbegrafiker Volker Plass, bei einer Pressekonferenz am 31. Jänner in Wien, fest.

"Blutauffrischung"

"Wir wollen die letzten Bastionen alteingesessener Entscheidungsstrukturen angreifen", kündigte der Grüne Budgetsprecher Werner Kogler an. Es gehe um eine Verbreiterung des Grünen Projekts, wobei die Grünen für eine "Blutauffrischung" sorgen und "auch Hecht im Karpfenteich" sein wollten. Für Plass ist es auf Grund des Wahlsystems "das komplexeste grüne Projekt bisher", denn in vielen kleinen Fachgruppen sei ein Antreten de facto unmöglich.

Bundesweit kandidieren heuer mehr als 820 grüne Wirtschaftstreibende aus gut 90 Branchen in 330 Fachorganisationen für die Grüne Wirtschaft, zusätzlich liegen 1.200 Unterstützungsunterschriften von Unternehmen vor. Konkretes Ziel ist der Einzug in alle Wirtschaftsparlamente der Landeskammern sowie ins Wirtschaftsparlament der Bundeskammer. "Intern liebäugeln wir mit der 4-Prozent-Hürde im Nationalrat", sagte Plass. Aus heutiger Sicht sei das Wählerverhalten aber kaum abschätzbar, da 300.000 Unternehmerinnen und Unternehmer erstmals die Möglichkeit hätten, auch in der Wirtschaftskammer grün zu wählen.

Dritter Platz in Wien und OÖ angestrebt

In Wien und in Oberösterreich wollen die Grünen Wirtschafter den dritten Platz erreichen. Bei den Wahlen im Jahr 2000 hatte die nur in Wien angetretene Grüne Wirtschaft mit fast 6 Prozent in der Bundeshauptstadt einen Achtungserfolg erzielt, in sieben Fachgruppen sei man auf Anhieb zweitstärkste Kraft geworden.

In Vorarlberg findet heuer überhaupt erstmals eine Wirtschaftskammerwahl statt - bisher wurden die Mandate bei so genannten "Friedenswahlen" unter Schwarz (V), Blau (F) und Rot (S) verteilt. Dank der grünen Kandidatur habe jetzt erstmals immerhin die Hälfte der Vorarlberger Wirtschaft - rund 10.000 Unternehmen - die Möglichkeit, ihre eigene Interessenvertretung demokratisch zu wählen. In Kärnten könnte die Grüne Wirtschaft "Zünglein an der Waage" zwischen dem ÖVP-Wirtschaftsbund und dem freiheitlichen RFW (Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender) spielen. In Wien gehe es darum, ob die absolute Mehrheit des schwarzen Wirtschaftsbundes gebrochen werden könne.

Kleinbetriebe im Fokus

Die Grüne Wirtschaft will vor allem die Interessen von Kleinbetrieben wahrnehmen, die 90 Prozent der heimischen Unternehmen ausmachen. Auf der Prioritätenliste der Grünen Wirtschaft ganz oben stehen ein Entlastungspaket und bessere soziale Absicherung für Einzelunternehmen und "Mikrobetriebe", sagte Gerlinde Blauensteiner, Gartengestalterin und Mitglied der Grünen Landesleitung Niederösterreich. Weitere Forderungen der Grünen umfassen rasche und unbürokratische Förderungen, ein effizienteres Transportwesen, Schutz der Nahversorgung, bessere Chancen für Ökowirtschafts-Betriebe, die transparente Vergabe öffentlicher Aufträge sowie gleiche Rechte für Migranten im Wirtschaftsleben. (APA)