Die Antwort der Politik auf das immer dramatischer werdende Problem der Arbeitslosigkeit ist einfach: Offensichtlich sei das Wirtschaftswachstum nicht ausreichend, strapazierte Arbeitsminister Martin Bartenstein seine analytischen Fähigkeiten.

So simpel, doch so falsch. Schon seit Jahren hat sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt von den Wachstumszahlen der Wirtschaft abgekoppelt, nicht nur in Österreich. In Deutschland gibt es unter dem Strich 6,5 Millionen Arbeitslose - zur Zeit der Weimarer Republik 1932 nach der Weltwirtschaftskrise waren es rund 7,5 Millionen. Damals war Deutschland ein wirtschaftlicher und politischer Trümmerhaufen, heute ist es im Vergleich dazu ein stabiler Hafen. Und dennoch nähern sich die deutschen Arbeitslosenzahlen von heute (zwar mit dem Rucksack der "neuen" Bundesländer) den damaligen Verhältnissen an - das hat nicht mehr sehr viel mit Wirtschaftswachstum, sondern viel mehr mit grundlegenden Strukturproblemen zu tun.

In Österreich ist es vor allem der große Bereich des Mittelstandes, der mittleren Qualifikationen, der nun von der Arbeitslosigkeit betroffen ist. Und das birgt auch die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft. Denn wenn immer mehr Angehörige der Mittelschicht in die Gruppe der derzeit mehr als 364.000 Jobsuchenden fallen und damit deutlich weniger verdienen, geht bald ein Bruch quer durch die Gesellschaft: geteilt in die (Job-) Besitzenden mit höherer Qualifikation und entsprechenden Gehältern, und in die (Job-)Suchenden mit mittlerer Qualifikation und gerade dem Arbeitslosengeld im Börsel.

Dass hier im Erwachsenenausbildungsbereich und in der Regionalplanung angesetzt werden muss, liegt auf der Hand. Aber das ist halt viel aufwändiger, als auf den Aufschwung zu warten. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2005)