Ein Jahr nach Beginn der NATO-Bombardierungen Jugoslawiens haben deutsche Medien-Vertreter ihre Berichterstattung über den Krieg zum Teil sehr selbstkritisch beurteilt. "Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr wir uns missbrauchen lassen", sagte Andreas Pawlonschek von ARD-Aktuell am Mittwoch bei einer Sonder- Landespressekonferenz in Hamburg zum Thema "Ein Jahr danach - die Journalisten und der Krieg". Der Zwang, Bilder zu liefern, habe dazu geführt, dass ihr Wahrheitsgehalt oft gar nicht überprüft worden sei. "Unter dem Quotendruck wurden Sondersendungen am laufenden Band produziert", erklärte Pawlonschek. Sie hätten oft unter einem "Mangel an Analyse gelitten und sich an der Oberfläche der Chronistenpflicht bewegt". Damit habe der Sender häufig ein relativ unkritisches Forum geboten, "das so bei der Kriegsberichterstattung nicht hätte passieren dürfen", betonte der Fernsehmann. "Wir haben Fehler gemacht", räumte "Spiegel"-Redakteur Erich Follath ein. Dazu gehöre auch, dass Kriegsgegnern in den Medien fast kein Raum zugestanden wurde. Insgesamt sei die Berichterstattung im "Spiegel" aber "gar nicht so übel" gewesen. So habe das Blatt schon früh über den angeblichen Hufeisenplan berichtet, den Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) als Legitimation für den Krieg gegen Jugoslawien benutzt hatte. Man könne die Berichterstattung über den Kosovo-Krieg nicht "in Bausch und Bogen verurteilen", meinte der stellvertretende Chefredakteur der Deutschen Presse Agentur (dpa), Thomas von Mouillard. Auch dpa sei allerdings einigen "Falschinformationen" aufgesessen und habe sich erst nach "zwei bis drei Tagen" von der Wortwahl der Militärs distanziert, die beispielsweise das Wort Krieg vermeiden wollten. Der Leiter des Instituts für Friedensforschung, Dieter Lutz, warf den Medien vor, sie seien der "Bonner Staatsräson gefolgt" und hätten unreflektiert über den Krieg berichtet. Sein Institut habe schon kurz vor dem NATO-Bombardement auf Belgrad im März 1999 eine Analyse vorgelegt, die belegte, "dass es gar keinen Völkermord im Kosovo und damit keinen Kriegsgrund gab". Auch "Konkret"-Herausgeber Hermann L. Gremliza, sagte, er habe schon vor einem Jahr gewusst und geschrieben, "dass es keinen Hufeisenplan, und damit keine Massenhinrichtungen der Kosovo-Albaner gegeben hatte". Dies habe aber niemand hören wollen. Die "deutschen Kriegsjournalisten" hätten über Scharping vielmehr als wahren Helden "im Stil von Konsalik geschrieben", so Gremliza. (APA)