Die serbischen regierungsunabhängigen Printmedien werden immer dünner gesät. Die einzige serbische Papierfabrik "Matroz" in Sremska Mitrovica will am kommenden Samstag die Papierproduktion wegen Rohstoffmangels vorübergehend lahmlegen. Die Chefredakteure der führenden Belgrader unabhängigen Medien befürchten unterdessen, es dürfte sich dabei um einen "künstlich" hervorgerufenen Papierengpass handeln, der auf das Verschwinden von regimekritischen Printmedien vom Markt angelegt sei. Der Vorwand des Papiermangels war seitens der Regierung in Belgrad bereits in den vergangenen Jahren schon mehrmals angewendet worden, um auf die unabhängigen Medien im Lande Druck auszuüben. Im Werk "Matroz" werden täglich rund 95 Tonnen Papier hergestellt. Allein die auflagenstärksten unabhängigen Medien "Glas javnosti" und "Blic" brauchen 30 Tonnen Papier pro Tag. Wie am Donnerstag die Tageszeitung "Danas" berichtete, sind die unabhängigen Medien auf die teuren Papierimporteure angewiesen. Ein Eigenimport wird nämlich von den Behörden nicht genehmigt. "Glas javnosti" und "Blic", die schon jetzt über die täglichen Verluste klagen, waren vor kurzem von der Regierung gezwungen worden, die um zwei Dinar pro Exemplar erhöhten Zeitungspreise erneut zu senken. Durch die Preiserhöhung hätten sie nach der Argumentation der Regierung die "Preisstabilität" in Serbien gefährdet. "Matroz"-Geschäftsführer Milenko Kovacevic hat die angekündigte Produktionseinstellung mit dem Zellulosenmangel begründet. Der Rohstoff werde über einen "strategischen Geschäftspartner" in Österreich aus Rumänien eingeführt, präzisierte Kovacevic. Er hatte zuvor Finanzprobleme der Fabrik als Grund für den Importausfall angegeben. (APA)