Berlin/Warschau - Die Einigung über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern in Deutschland ist nach Ansicht des "Bundesverbandes Information und Beratung für NS-Verfolgte" zu Lasten jener Opfergruppen gegangen, die nicht an den Verhandlungen beteiligt waren. Verbandsgeschäftsführer Lothar Evers nannte am Donnerstag im DeutschlandRadio Berlin unter anderem die Gruppe nicht-jüdischer Häftlinge westeuropäischer Konzentrationslager, die heute vor allem in Frankreich, Spanien und auch in Deutschland lebe. Zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis von Berlin zeigte sich dagegen die polnische Regierung. Evers führte auch die Länder Mittel- und Osteuropas an, die keine eigene Versöhnungsstiftung hätten. Er verwies zudem auf Ex-Jugoslawien und die Nachfolge-Republiken. Außerdem gehe es um sehr viele Ex-Zwangsarbeiter, die nach Deutschland verschleppt wurden, anschließend jedoch nicht in ihre Länder in Mittel- und Osteuropa zurückkehren wollten und jetzt überwiegend in Großbritannien, in den USA und Australien lebten. Mit Hilfe des Bundespresseamtes sollten nicht registrierte Opfer informiert und ihnen bei der Beschaffung von Beweismitteln geholfen werden, verlangte Evers. Auch müsse der Gesetzentwurf der Bundesregierung für die Bundesstiftung die rund 600.000 landwirtschaftlichen Zwangsarbeiter erwähnen. Schließlich hielt Evers die Antragsfrist von acht Monaten für zu kurz. Das Gesetz müsse zudem ein konkretes Datum nennen, wann die Entschädigungszahlungen definitiv beginnen würden. In den zweitägigen Verhandlungen in Berlin hatten sich die Beteiligten über die Verteilung der zehn Milliarden Mark (5,11 Mrd. Euro/70,4 Mrd. S) Entschädigung verständigt. Gut acht Milliarden Mark sollen in individuelle Entschädigungen fließen. Das polnische Außenministerium wertete die Einigung als zufriedenstellend. "Das ist die beste Lösung, die zu erreichen war", sagte ein Sprecher. Es handle sich um eine wichtige Vereinbarung. (APA)