Berlin - Im Zweiten Weltkrieg wurden Millionen Menschen aus den vom Nationalsozialismus besetzten Staaten in der deutschen Industrie und Landwirtschaft zur Zwangsarbeit gezwungen. Die von den Nazis als Fremdarbeiter bezeichneten Menschen ersetzten auch deutsche Arbeitskräfte, die zur Wehrmacht eingezogen worden waren. Außerdem wurden hunderttausende Juden in Gettos und Vernichtungslagern zur Sklavenarbeit bis zum Tod gezwungen. Schon im Herbst 1939 mussten 340.000 polnische Kriegsgefangene in der deutschen Landwirtschaft arbeiten. Eine allgemeine Verordnung zur Zwangsverpflichtung in allen besetzten Ländern und Kriegsgefangenenlagern wurde im August 1942 erlassen. Diese Repression spielte bei der Entstehung von Widerstandsbewegungen in den besetzten Ländern eine wichtige Rolle. Bedingungen für Zwangsarbeiter aus dem Westen waren besser als für jene aus dem Osten Im September 1944 arbeiteten 7,5 Millionen Fremde und Kriegsgefangene im damaligen Deutschen Reich. Davon kamen 2,8 Millionen aus der Sowjetunion und 1,5 Millionen aus Polen. Die meisten anderen stammten aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und der Tschechoslowakei. Die Zwangsarbeiter aus dem Osten mussten eigene Erkennungszeichen an der Kleidung tragen, durften ihre Unterkünfte nach der Arbeit nicht verlassen und waren schweren Strafen ausgesetzt. Die Bedingungen für Zwangsarbeiter aus dem Westen waren etwas besser. In Polen wurden jüdische Männer, Frauen und Kinder ab dem zwölften Lebensjahr von der SS unmittelbar nach der deutschen Besetzung ab 1939 zur Zwangsarbeit herangezogen. In den Gettos wurden so genannte Werkstätten eingerichtet. Ende 1940 leisteten 700.000 Juden in Polen Zwangsarbeit. Die Zahl sank mit dem Fortschreiten des Massenmordes. In Auschwitz und anderen Konzentrationslagern wurden Juden als Arbeitssklaven an deutsche Fabriken verliehen, den Lohn kassierte die SS. Von Deutschland konnten ehemalige Zwangsarbeiter nach mehreren Gesetzen bisher Entschädigung erhalten. So wurden nach dem Bundesentschädigungsgesetz für Opfer der NS-Verfolgung mehr als 72 Milliarden Mark (36,8 Mrd. Euro/507 Mrd. S) ausgezahlt, ein Teil davon auch an jüdische Zwangsarbeiter. Andere erhielten Zahlungen nach dem allgemeinen Kriegsfolgengesetz. Auf Grund von Wiedergutmachungsverträgen mit Polen, Russland, Weißrussland und der Ukraine wurden in diesen Ländern Stiftungen eingerichtet, in die Deutschland 1,5 Milliarden Mark einzahlte. Auf die konkrete Verwendung dieses Geldes hat Deutschland keinen Einfluss. Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeiter auch in Österreich seit zwei Jahren ein Thema Die Entschädigung der Zwangsarbeiter wurde in den letzten zwei Jahren auch in Österreich zum Thema. Die Regierung hat angekündigt, diese Opfer des Nationalsozialismus entschädigen zu wollen. Als Regierungsbeauftragte hat die ehemalige Nationalbank-Präsidentin Maria Schaumayer Verhandlungen aufgenommen. Nach Schätzungen leben heute in Mittel- und Osteuropa zwischen 600.000 und 800.000 ehemalige Zwangsarbeiter, in den USA sind es 80.000 bis 130.000. (APA/AP)