Im Tiroler Serfaus gibt es Anschluss in beide Richtungen: Hinauf in eisige Höhen oder hinab in den gut gefüllten Weinkeller. Dazwischen ein furioser Haubenkoch, ein ausgedehnter Wellness-Bereich - und eine U-Bahn.

Wien und Serfaus haben eine U-Bahn. Die in Serfaus hat vier Stationen: "Parkplatz", "Kirche", "Raika" und "Seilbahn". Die Verantwortlichen in Serfaus bewiesen mit diesem 1985 durchgezogenen Bauprojekt viel Weitblick: Es wurde im Dorf ein Fahrverbot verhängt und dennoch kommt jeder rasch überall hin. So konnte der dörfliche Charakter erhalten werden, zwei oder drei Kuhställe wurden demonstrativ im Ort belassen, auch der Dorfanger blieb frei. Sonst gibt es allerdings schon einige Hotels, mehrere Dutzend etwa.

Insbesondere die Tagestouristen reisen unterirdisch vom Parkplatz außerhalb des Dorfes zur Talstation am anderen Ende. Von dort verteilen drei Seilbahnen die Skifahrer ohne Wartezeit - mit Anschluss über mehrere Lifte auf 2748 Meter. Durch den Zusammenschluss der Ortschaften Serfaus, Fiss und Ladis ergab sich ein stattliches Skigebiet mit insgesamt 53 Anlagen und 160 Pistenkilometern. 31 Anlagen befinden sich über 2000 Meter. Eine Seilbahn führt auf den höchsten erreichbaren Punkt für Skifahrer.

Auftauen in der Hütte

2748 Meter. Dort war ich. Und dort erwarteten mich 27 Grad. minus. Es war eine außergewöhnlich kalte Woche. Nahezu jeder Serfauser entschuldigte sich. Solche Temperaturen kämen wirklich selten vor, sonst eben Sonnenschein, Pistenfreude . . .

Bei mir aber 27 Grad. Minus. Das Skifahren glich eher einer ernsthaften Polarexpedition als einem fröhlichen Wintersportvergnügen. Ich war gänzlich unvorbereitet und fiel meiner eigenen Ambition, zum Aufwärmen (ha!) gleich den höchsten Punkt erklimmen zu wollen, zum Opfer. Bei der Abfahrt stieß ich heisere und verzweifelte Schreie des Schmerzes aus, die gleich gefroren. Die Kälte und der Wind stießen mir tausend spitze Nadeln in Wangen und Nase. Ich kehrte umgehend in der Skihütte Masner ein, die immerhin noch auf 2400 Meter liegt. Man hob mich auf einen Ofen und taute mich auf.

Sonst aber: Super, das Skifahren. Man kann den ganzen Tag unterwegs sein, ohne einen Lift zweimal zu benützen. Und am nächsten Tag wieder, andere Lifte.

Am Abend traf ich dann, von inneren Kältewellen schockgebeutelt, Remo Tatto. Tatto ist kein Serfauser, nicht einmal Tiroler, betreibt aber eines der nettesten und besten Lokale in Serfaus: Nudel & Co. Das Lokal ist weit und luftig und kommt ohne die sonst üblichen Holzvertäfelungen und Geweihe aus. Küchenchef Fuad, ebenfalls kein Serfauser und nicht einmal Tiroler, kocht dort in einer Ein-Mann-Show großartig auf.

Remo verriet mir ein Geheimnis: Es gebe ein Lokal, wo sogar noch besser gekocht werde, auch er und sein Küchenchef pilgern regelmäßig hin, Schalber heißt es, und am nächsten Tag werde es noch kälter. Auch ein Sturm habe sich angesagt.

Hauben statt Skimütze

Ich hatte meine Vorsätze. Am nächsten Tag schrie ich wieder auf 2748 Metern, im Sturm konnte mich aber ohnedies niemand hören. Am Abend grunzte ich zufrieden im Hotel Schalber in mich hinein. Küchenchef Gerhard Krießmann, gleich zweifach behaubt, kochte sich in ein neungängiges Furioso, das uns, Remo und mir, die Tränen in die Augen trieb. Das Essen war ganz große Kunst, eines internationalen Hauses würdig. Das Hotel Schalber steht den Ambitionen seines Küchenchefs nicht nach, es ist die erste Adresse in Serfaus. Mit riesigem Wellnessbereich, mit allen Becken, Bädern, Dämpfen und Massagen.

Wellness an der Bar

Das zweite erste Haus in Serfaus ist das Hotel Cervosa, wie das Schalber mit fünf Sternen gekennzeichnet. Auch hier wird im großen Stil mit viel Ambition gekocht. Zum Ausgleich steht den Gästen, die des Abends gerne mit Perlenkette und Krawatte zum Menü erscheinen, ein Wellnessbereich zur Verfügung, der alle Stückerln spielt, sich aber auch von der Bar überblicken lässt.

Wir hingegen hatten im Schalber eine Verabredung mit Sommelier Dominik Kozlik, der uns in den Weinkeller trieb, wo er zwölf oder mehr Flaschen Pinot Noir zur Verkostung geöffnet hatte. Irgendwer trug oder rollte mich dann auf mein Zimmer, dessen wunderbare Pracht ich erst am nächsten Morgen wahrnahm. Und ich wusste gleich: 2748 Meter warten auf mich. Ich würde wieder schreien. (Der Standard, Printausgabe 13./14.2.2005)