Wien - Der Wiener Anwalt Georg Zanger, Kurator für unbekannte Zwangsarbeiter aus der NS-Zeit, appelliert um eine möglichst lange Frist, während der betroffene Menschen in Österreich ihre finanziellen Entschädigungsansprüche anmelden können. "Die von Deutschland geplanten acht Monate sind ein Wahnsinn, fünf Jahre wären richtig", meinte Zanger am Freitag. Besonders in Osteuropa würde es ein bis zwei Jahre dauern, bis die - meist doch sehr alten - Menschen überhaupt von dieser Möglichkeit Kenntnis erhalten. Dazu komme die fehlende Informationsstruktur in Osteuropa und bei alten Menschen generell. Ob die zur Verfügung stehenden Mittel "früher oder später" ausbezahlt werden, sei egal, das "Geld wird ja gut angelegt" - selbst im Sterbefall würde es nicht verlorengehen, sondern den Hinterbliebenen zu Gute kommen. Etwa zwei Drittel der ehemaligen Zwangsarbeiter, so schätzt Zanger, gehören in die Gruppe der "Unbekannten". Also sei die Meldefrist für diese Gruppe besonders relevant. Aus seiner Praxis berichtete Zanger, viele Betroffene müssten in Gesprächen und Telefonaten überhaupt erst darüber aufgeklärt werden, dass sie zum Kreis der Anspruchsberechtigten gehören. Wenn sich die österreichische Regierungsbeauftragte, Maria Schaumayer, an den Ergebnissen der deutschen Verhandlungen orientiert, sei dies im Prinzip sehr sinnvoll - aber nicht was die Frist betrifft, appellierte Zanger. (APA)