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Archivbild: Klasnic als "Tunnelpatin" des Sondierstollens am Semmering

foto: apa/epa/Kowatsch
Graz – Es war eine vertraute Runde, die sich da Ende Jänner im Büro des steirischen ÖVP-Landesrates Hermann Schützenhöfer zur Beratung zurückgezogen hatte: der Wiener Industrielle Josef Taus etwa, Generaldirektor Horst Pirker von der Styria (Kleine Zeitung) und auch Diözesanbischof Egon Kapellari. Eines der Themen der Krisensitzung: Die Zukunft der ÖVP.

Nach Jahren des Höhenfluges mit Landeshauptfrau Waltraud Klasnic hat die steirische ÖVP hart am Boden aufgesetzt. Die steirische Kronenzeitung löste nun mit einer IMAS-Umfrage weiteren Schock aus: Erstmals seit Jahrzehnten hat die SPÖ die ÖVP bei Umfragen mit 41 zu 40 Prozent überholt.

Was Klasnic aber noch mehr verunsichert: Einer möglichen Liste ihres im Gram ausgeschiedenen Landesrates Gerhard Hirschmann traut die Umfrage für die Landtagswahl im Herbst die Stärke für einen eigenen Landesrat zu. Was alles noch einmal auf den Kopf stellen würde. Klasnic hatte 2000 noch 47 Prozent erreicht, wenig später schaffte sie in Umfragen locker die Absolute.

Klasnic unterliefen – offenbar suboptimal beraten – etliche taktische Schnitzer. Sie trennte sich etwa von ihren stärksten Landesräten, Gerhard Hirschmann und Herbert Paierl, was einen sichtbaren Kompetenzverlust ihres Regierungsteams zur Folge hatte.

Ihr Krisenmanagement stotterte in der "Estag-Affäre" um den Landesenergiekonzern ebenso wie im hofrätlichen Sexskandal oder der Debatte um die fürstlichen Förderungen des gräflichen Tierparks Herberstein. Die Peinlichkeit um das geplatzte Red-Bull- Projekt legte zuletzt deutliche Mängel in der Wirtschaftskompetenz offen.

Klasnic bleibt noch, ihre Beliebtheit als Trumpf auszuspielen. Ob sie aber den "Magnolienbaum" – so der Titel ihrer biografischen Wahlbroschüre aus dem Jahr 2000 – noch einmal zum Blühen bringen kann, bezweifeln selbst schon engste Weggefährten. (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2005)