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Foto: Reuters/JONATHAN EVANS
Zwei Absolventen eines Lateinstudiums gibt's noch. Der Nachwuchs für den ohnehin schrumpfenden Lateinunterricht bleibt also aus, die Sache könnte sich somit relativ bald von selbst erledigen. Manche werden das als richtige Entwicklung zur Modernisierung des Lehrstoffs (Stichwort: "Entrümpelung") begrüßen. Moderne Sprachen sind wichtiger.

Was sollen wir mit einer toten Sprache? Die üblichen Antworten darauf ("man lernt Logik der Sprache, bessere Vorbereitung zum Erlernen moderner romanischer Sprachen ...") stimmen zwar, aber der Punkt ist ein anderer: Latein gehört zum Kern unserer europäischen Identität. Unsere geistigen Grundlagen wie Humanismus, Individualismus, Rationalismus, rechtliches Denken, die Organisation des Staates, die Werte des Christentums wie der Aufklärung wurden zum großen Teil auf Latein erdacht und weiterentwickelt (die Rolle der griechischen Antike ist da natürlich gleich mitgedacht, denn Griechisch auch noch wäre zu viel verlangt).

Man muss nicht Latein lernen, um ein Gefühl für diese Grundlagen unserer Kultur zu bekommen, aber es hilft ungemein. Wenn Latein als Schulfach stirbt, werden die Kinder von unseren Wurzeln abgeschnitten. (DER STANDARD-Printausgabe, 18.2.2005)