Wien - Die Historikerkommission hat in ihrer Sitzung am Donnerstag über die in der letzten Woche der Öffentlichkeit präsentierte "Arisierungsliste" des US-Außenministeriums beraten. Bei den Materialien handelt es sich "um aussagekräftige Dokumente" zu "Arisierungen" und erblosem Vermögen, die seit geraumer Zeit in den "National Archives" öffentlich zugänglich und bekannt seien, heißt es in einer Presseinformation vom Freitag. In der Sitzung am Donnerstag wurden weiters zwei Projekte zu Zwangsarbeit in der Land- und Forstwirtschaft in Österreich beschlossen. Zu der "Arisierungsliste" wurde am Freitag in einer Aussendung festgehalten, dass der 1953 über erbloses Vermögen in Österreich erstellte Bericht etwa Schätzungen über den Gesamtumfang des "arisierten" Grund- und Immobilienbesitzes und des Geldvermögens umfasst. Die vorliegenden Quellen seien für die Historikerkommission im Forschungsbereich "Arisierung" und Rückstellung Ausgangspunkt der laufenden wissenschaftlichen Arbeit. Im Mittelpunkt der neuen Projekte steht die regional vergleichende Erforschung der Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter. Geplant sind lebensgeschichtliche Interviews mit Überlebenden etwa aus der Ukraine, Russland, Ungarn oder Polen. Aber nicht nur die Lebenserinnerung der betroffenen Zwangsarbeiter findet Eingang in die wissenschaftliche Arbeit, sondern auch jene der Bauern und anderer Ortsbewohner, um die Praxis des Alltags rekonstruieren zu können. Gefragt werden soll zum Beispiel nach Entlohnung, Unterbringung, Bekleidung und Hygiene. Die beiden Projekte werden vom Grazer Universitätsprofessor Stefan Karner und der Wiener Historikerin Ela Hornung geleitet. Weiters wurden am Donnerstag die Zwischenberichte der laufenden Forschung und die eingelangten Projektofferte zur Praxis der Vollziehung des Staatsbürgerschaftsrechts zur Kenntnis gebracht. Über die Projektvergabe wird in der nächsten Sitzung entschieden. (APA)