Die Wirtschaft, von der wir leben, lebt auch von uns. Es ist sogar so, dass sie besser von uns leben muss als wir von ihr, dann ist sie gesund. Und nur in einer gesunden Wirtschaft leben wir wirklich gut, sagt man uns. Das ist der Schmäh. - Einmal werden wir ihn durchschauen. Vorerst bleiben wir aber beim Carpaccio.

"Carpaccio" heißt erstens, dass etwas nie zu dünn sein kann, um nicht Essen genannt zu werden. Und es bedeutet zweitens, dass weniger nicht mehr (als mehr) sein muss, um dreimal so teuer zu sein. Okay, dass man den Köchen Erschwerniszulagen zubilligt, wenn sie halbgefrorene Filets löschblattmäßig aufbereiten, ist verständlich. (Fünf Löschblättchen: kaum unter 100 Schilling, seit es den Euro gibt.) Aber "Carpaccio" funktioniert auch mit Zucchini und Feldkürbis. Es ist die Kultspeise von Vegetariern, die absolut keinen Hunger haben, aber in einem Restaurant sitzen. - Selbst von ihnen lebt die Wirtschaft.

Noch besser lebt sie von juweligen Namen. Unlängst nannte ein Koch seine Lieblingsspeise "Knackwurst-Carpaccio". Klingt nach sieben Euro aufwärts. Früher aß man das Gleiche für 30 Schilling unter dem Namen "Extrawurst in Essig und Öl". - Da war aber die Wirtschaft noch krank. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.2.2005)