Mysore/Bombay - Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S will von seinen beiden indischen Standorten aus einen expansiven Wachstumskurs fahren.

Man habe sich zum Ziel gesetzt, zu einem Global Player in der Branche zu werden, so der Geschäftsführer des AT&S-Standortes in Mysore, Hans-Peter Jung anlässlich des Besuchs einer Wirtschaftsdelegation im Gefolge von Bundespräsident Heinz Fischer.

Die Produktionsstätte - neben Shanghai die zweite in Asien - befindet sich seit 1999 in österreichischer Hand und machte 2004 einen Umsatz von 316 Millionen Euro.

Rang 15 Weltweit

Weltweit liegt AT&S unter den Leiterplattenproduzenten derzeit auf Rang 15. Das Unternehmen deckt 40 Prozent des Bedarfs für Mobiltelefone in Europa und 15 Prozent des weltweiten Bedarfs ab. Ziel ist, 50 Prozent der Produktion über die asiatischen Standorte zu bewältigen.

Das Unternehmen will dabei "von der Kopflastigkeit der Telekommunikation" wegkommen, hin zu medizinischen und Sicherheitsanwendungen, so Jung. In Mysore wolle man die Produktion von Automobil- und medizinische Anwendungen fördern.

In der indischen Produktionsstätte Nanjagud - ursprünglich war dort ein Aluminiumwerk - sind 850 Mitarbeiter auf 10.000 Quadratmeter Fläche beschäftigt. 57 Prozent der Produktion gehen nach Europa, 22 Prozent in den heimischen indischen Markt.

Der Geschäftsführer von Nanjagud sieht in Indien klare Vorteile gegenüber China. Für den Standort Indien spreche das hohe Ausbildungsniveau und in Indien "kommt man mit der englischen Sprache sehr weit", so Jung.

Kooperationen

"Die österreichisch-indischen Beziehungen haben einen wichtigen Impuls erhalten", sagte Bundespräsident Fischer. Österreich und Indien wollen die wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit intensivieren.

Beide Seiten bekräftigen ihr Interesse an einer Intensivierung der bilateralen Kooperation "durch den Abschluss eines Wissenschafts- und Technologieabkommens", hieß es in einer Erklärung zum Abschluss des Staatsbesuches, der von einer 70 Unternehmen umfassenden Wirtschaftsdelegation.

Indien habe sich als High-Tech-Land präsentiert, so Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. "Was sich hier abspielt ist atemberaubend". Österreich sei für Indien ein hervorragender Standort, deshalb solle es verstärkt Direktinvestitionen geben.

EU-Projekte

Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich Christoph Leitl nannte zwei Gebiete der Kooperation im Bildungsbereich. Zwei EU-Projekte bestehen zwischen Indien, Italien und Österreich.

So werden Lehrgänge in "Entrepreneurship" angeboten und es gibt ein "Industrial Clustering for Social Growth" zur Entwicklung des Tourismus. Partner sind hierbei die Fremdenverkehrsschule Modul in Wien und die Fachhochschule Krems. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.02.2005)