Berlin - Am 105. Amtstag zog sie die Konsequenzen aus der Erkenntnis, dass "mit den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Mitteln die Aufgaben nicht zu beherrschen" seien: Der Rücktritt der Berliner Kultursenatorin Christa Thoben (CDU) wurde am Freitag von Kollegen und Kulturschaffenden mit Erstaunen, aber auch mit Verständnis aufgenommen. "Dies ist eines der schwersten Ämter", sagte Berlins Bürgermeister Eberhard Diepgen, der die Nachfolge rasch regeln will. Wie der Tagesspiegel berichtet, wird von "Prominenten des Berliner Kulturlebens" die Verpflichtung eines "prominenten Namens von außerhalb" angeregt. Genannt wurde Gerard Mortier. Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, der seinerseits bereits wegen zu geringer Mittelausstattung mit dem Rückzug gedroht hatte, reagierte überrascht, aber: "Thoben zeigt mit ihrem Rücktritt, dass der unhaltbare Zustand der Berliner Kulturpolitik beendet werden muss. Vielleicht bedeutet das jetzt das Aus für den alten Berliner Mief." Thomas Langhoff vom Deutschen Theater drückte sich poetischer aus: Thoben habe die notwendige Konsequenz gezogen. "Sie ist eine Weltdame unter Zwergen." Noch am Donnerstag hatte die Senatorin einen heftigen Streit mit ihrer eigenen Behörde ausgefochten. Sie setzte durch, dass die Deutsche Staatsoper eine nach Ansicht der Beamten mit umgerechnet 2,52 Millionen Schilling zu hohe Spende eines Unternehmers annehmen darf. Die 58-jährige frühere Staatssekretärin im Bauministerium fühlte sich mit ihren Budgetnöten allein gelassen. Die Versprechungen ihres Vorgängers Peter Radunski und die Defizite summieren sich auf umgerechnet rund 490 Millionen Schilling. Hinzu kamen Rivalitäten mit Diepgen, der ihr die Unterstützung bei heiklen Projekten versagte. (afs)