Wien – Abu wird jetzt wie ein großer, gefährlicher Elefant behandelt. Der Bulle, der am vergangenen Sonntag seinen Pfleger tötete, soll nicht mehr mit Menschen in Berührung kommen.

Selbständig

„Proteced Contact“ nennen die Zooleute dieses Verfahren, das gewöhnlich erst für geschlechtsreife Bullen gilt: Das Tier muss selbstständig in die Bullenbox gehen, die Beine für die Hygienearbeit heben und die Ohren zur gegebenenfalls nötigen Blutabnahme herhalten. Die Pfleger erledigen die Betreuungsarbeit durch Luken und sind so vor Angriffen geschützt. Weibliche Tiere sind sanfter, der menschliche Kontakt kann meist aufrecht bleiben.

Nachfolge

Unterdessen macht man sich im Tiergarten auch Gedanken über eine Nachfolge für den getöteten Pfleger Gerd Kohl: Findet sich kein Kollege aus dem Betrieb, der zum Elefantenhaus wechseln möchte, könnte ein Experte aus dem Ausland geholt werden. Derzeit sind im Elefantenhaus vier Personen im direkten Kontakt mit den Tieren.

Aggression

Aufgrund der Angriffsbereitschaft der ausgewachsenen Bullen müsse sich in nächster Zeit erst zeigen, wie der pubertierende Abu mit dem zweiten männlichen Elefanten in der Herde zurechtkommt. Kommt es zu gewaltsamen Konfrontationen, muss einer der beiden weichen, so der stellvertretende Zoo-Direktor Harald Schwammer. Neben den verschärften Sicherheitsmaßnahmen wird die tägliche Routine im Elefantenhaus weiter beibehalten.

Prinzipiell herrsche im Gehege Normalität, die Beibehaltung des gewohnten Tagesablaufes sei für die Tiere wichtig, sagt Schwammer. Für die teilweise geschockten Kollegen wird derzeit eine psychologische Betreuung angeboten. (APA, red, DER STANDARD Printausgabe, 23.02.2005)